Keine Schar Unbelehrbarer

Das Gymnasium ist keine „Schule der Unternehmerkinder und Bonzen“, sondern will gleichberechtigt mit Gesamtschulen behandelt werden, fordert AZ-Leser Dr. Dirk Jaskolla.
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Das Gymnasium ist keine „Schule der Unternehmerkinder und Bonzen“, sondern will gleichberechtigt mit Gesamtschulen behandelt werden, fordert AZ-Leser Dr. Dirk Jaskolla.

Dr. Dirk Jaskolla aus Uelzen ist Schulelternratsvorsitzender des Uelzener Lessing-Gymnasiums und nimmt Stellung zum Leserbrief von Knut Markuszewski (AZ, 8. Juni 2015), in dem dieser betont, der Landeselternrat habe keine Bedenken an der Schulgesetznovelle.

Unstrittig ist, dass im Kreise der Grünen und auch in einigen Kreisen der SPD eine stark wohlwollende Stimmung gegenüber der Gesamtschule existiert. Falsch ist jedoch, dass von den Bedenkenträgern gegen das neue Schulgesetz die wichtige Stellung einer Gesamtschule in der Schullandschaft bestritten wird. Wir fordern jedoch, dass Gesamtschulen und Gymnasien gleichberechtigt sind und nicht Gesamtschulen als ersetzende Schulform anstelle von Gymnasien installiert werden können.

Sie zitieren ausschließlich die Elternschaft des Lessing-Gymnasiums. Richtig ist, dass wir im Verbund mit elf Elternräten anderer Gymnasien kooperieren (HEG, Lüneburger Gymnasien, Winsen-Luhe, Salzhausen etc). Auch der Verband der Elternräte der Gymnasien, der Philologenverband und der Verband der Gymnasialdirektoren gehen mit uns konform und umgekehrt. Wir sind also alles andere als eine kleine Schar Unbelehrbarer.

Wie Sie vielleicht mitverfolgt haben, verweigert Frau Heiligenstadt mir seit nunmehr fünf Monaten jede Antwort auf sehr konkrete Fragen. In der Regierungserklärung zum Schulgesetz erklärt sie am 3. Juni im Landtag: „Wo Argumente nicht überzeugend waren, nur aus überkommenen Bildungsideologien gespeist waren, völlig überspitzt oder sogar… schlicht absurd waren, haben wir an dem Gesetzentwurf aus guten und wohlüberlegten Gründen festgehalten.“ Muss ich meine sehr konkreten Fragen nun auch unter die Kategorie einordnen? Wenn das der Grund für eine Nichtantwort wäre, wäre es eine Frechheit. Ideologisch überkommen ist es, wenn die Fraktionsvorsitzende der Grünen bei einem offiziellen Termin feststellt, dass das Gymnasium die Schule der Unternehmerkinder und Bonzen sei. Eine Feststellung, der selbst Ministerpräsident Weil widersprochen hat.

Wenn Petitionen gegen das Schulgesetz, die von 150 000 Bürgern unterzeichnet wurden innerhalb von fünf Minuten abgelehnt werden, macht das nicht besonderen Mut für den Einsatz demokratischer Mittel. Herr Markuszewski, wenn Sie die Meinung eines Verbandes zitieren, ist das zwar legitim, es stellt allerdings nur einen minimalen Ausschnitt des Gesamtbildes dar. Nach dem Gesamteindruck ist jedoch die Vermutung einer bestimmten Zielrichtung dieser Politik nicht aus der Luft gegriffen und angebliche Panikmache.

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