AZ-Leserbrief

Keine halb durchdachten Konzepte

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Eine Initiative für die Gründung einer IGS wurde von diesen fünf Müttern ins Leben gerufen. Auch AZ-Leserin Melanie Kamschütz macht sich dazu Gedanken.

Zum Artikel „Jetzt sollen Eltern befragt werden“, AZ vom 2. April, hat die Redaktion ein Leserbrief aus Uelzen erreicht:

Die Diskussion über das Für und Wider einer IGS mutet doch recht seltsam an. Gebt dem Kind einen neuen Namen und alles wird gut? Warum muten Eltern denn ihren Kindern zum Teil horrende Fahrtzeiten von der einen zur anderen Seite des Landkreises zu? Wegen der besseren Luft in dem beschaulichen Kurort? Nein – weil schlicht und ergreifend die Schulsituation des Sekundarbereichs I im Uelzer Stadtgebiet eine Katastrophe ist. Mangels Alternativen bleibt dann nur die KGS.

Das Konzept Oberschule ist kläglich gescheitert. Das hat sich glücklicherweise auch bereits zu den Verantwortlichen herumgesprochen und es wird still und leise zurückgerudert. Ein halb gares Konzept aus der Schublade zu holen ohne die Rahmenbedingungen, Mitarbeiterkapazitäten und Auswirkungen gesichert zu wissen, ist mehr als fahrlässig. Da werden bis zu drei Schulzweige von jetzt auf gleich zusammengelegt. Tolle Idee. Jeder lernt von jedem. So die rosarote Theorie. Die Praxis sieht leider anders aus. Überforderte Lehrkräfte, Ausfall von Lehrkräften ob der Überforderung und des Alleingelassenwerdens seitens der verantwortlichen Stellen. Und das Problem mündet erst in der weiterführenden Schule.

Das Grundproblem beginnt leider bereits in der Grundschule, wo der Pfad für die schulische Laufbahn geebnet werden soll. Lehrkräfte sind überfordert, allen Schülern gerecht zu werden. Und dies soll in gar keinem Fall als Vorwurf zu verstehen sein. Die Sonderschule wurde abgeschafft und jeder darf bestimmen, welche Schule sein Kind besucht. Soweit eine nette Idee. Doch Sonderpädagogik ist zu Recht ein Studienfach. Und nun unterrichtet ein Grundschullehrer eine Klasse mit bis zu einem Drittel Anteil an Schülern mit sonderpädagogischem Bedarf. Wem kann er da gerecht werden? Dem Schüler, der sehr mühsam lernt? Oder dem Kind, das schneller lernt? Auch wenn die Sonderpädagogen des Kreises auf die einzelnen Schulen verteilt wurden, so bleiben maximal zwei bis drei Stunden pro Klasse in der Woche, an denen dort unterstützt werden kann. Schöne neue Schulwelt.

Liebe Verantwortliche, machen Sie bitte Ihre Hausaufgaben und laden keine halb durchdachten Konzepte auf dem Rücken unserer Kinder und Lehrkräfte ab. Schüler, Lehrkräfte und PISA werden es Ihnen danken!

Melanie Kamschütz, Uelzen

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