Leserbriefe

Keine Freund-Feind-Brille

Reaktionen zu Leserbrief von Henning Tiedge zur Diskussion über die A 39, AZ vom 6. April, sowie zu weiteren Berichten über den geplanten Trassenbau:

Wenn sie, Herr Tiedge, Textbeiträge und Leserbriefe in der AZ aufmerksam lesen und sie nicht durch eine plumpe Freund-Feind-A-39-Brille betrachten würden, dann wüssten Sie, dass es keine A 39-Gegner gibt, die im Sinne von Totalverweigerern des technischen Fortschritts gleichzeitig auch noch Gegner des Ausbaus von Bahnstrecken sind; beispielhaft nenne ich hier nur die „Amerika-Linie’’ zweispurig; Sinngemäß das gleiche gilt für die Ersetzung des Schiffshebewerkes Scharnebeck durch ein neues Aufstiegsbauwerk. Alles das wird von A 39-Gegnern seit Jahren befürwortet. Geradezu stupid ist Ihr Analogieschluss, dass wenn „eine Vielzahl von Menschen unseres Kreises für die Entwicklung dieses Raumes“ sind, seien sie „somit zwangsläufig für die A 39“. Zu kurz gesprungen, Ziel verfehlt, Herr Tiedge. Die Fähigkeit, zu differenzieren, haben Sie offenbar nicht erlernt.

Ich habe nie behauptet, dass keine der Firmen, die sich in Winsen direkt an der A 39 angesiedelt haben, das nicht wegen der Nähe einer Autobahn tun. Natürlich ist das so. Ich habe lediglich und sachlich völlig zu Recht gesagt, dass ein Teil der Firmen, die sich in Winsen an der A 39 angesiedelt haben, zum Teil lange schon vor dem Bau der A 250 (A 39) in und rund um Winsen sowie in Lüneburg ansässig gewesen waren.

Neben Uelzens HEG, LeG haben Sie übrigens Suderburgs Ostfalia Hochschule zu erwähnen vergessen. Interessant ist, dass für so gut wie niemanden der Studierenden der Fachrichtung Handel und Logistik im Zusammenhang ihrer zukünftigen Berufsperspektive die A 39 eine Rolle spielt. Relevant für ihre berufliche Zukunft ist die größtmögliche Wohnortnähe zu ihrem Arbeitsplatz in den Ballungszentren. Uelzen liegt für viele von ihnen am „Arsch der Welt“.

Raymonde Harland, Hamburg

Die jüngsten Behauptungen einiger unentwegt A39-hoffnungsvoller Kommunalpolitiker über höhere Bundesstraßen-Ausbau-Kosten (gegenüber der Milliarde beim Bau der A 39) durch angeblich viele notwendige Ortsumfahrungen beim Ausbau der B 4 sind absolut unsinnig: Die Umgehung Kirchweyhe ist bereits im Bau, vermutlich bräuchten vor allem Jelmstorf und Melbeck wirklich Umgehungen. Die waren übrigens schon mal im Bundesverkehrswegeplan, ehe sie 2003 von den A-39-Lobbyisten daraus verdrängt wurden.

Ein AZ-Redakteur berichtet, dass er 15 Minuten wertvoller Lebenszeit vertan habe, weil er von Uelzen nach Bevensen (18 Kilometer) hinter Lkw herfahren musste. Verfolgen wir die Fahrt des Redakteurs in Gedanken: Auf den ersten sechs Kilometern hätte er wegen der 2+1-Regelung auf der Uelzener Umgehung mühelos überholen können, rund um Kirchweyhe demnächst ebenso, zwischen Kirchweyhe und Abfahrt Bevensen nach einer 2+1-Neumarkierung der B 4 ebenfalls. Auf der B 4 fährt zudem beileibe nicht ein Lkw hinter dem anderen wie auf vielen Autobahnen. Die letzten vier Kilometer des Redakteurs nach Bad Bevensen sind von der B 4 aus ebenso lang wie von einer möglichen A 39. Wegen der wesentlich längeren Zufahrt von der AZ-Redaktion (die jetzt ja direkt an der B 4 liegt) zur A 39 und der Kurven der A 39 wäre der Weg des Redakteurs sogar um fünf Kilometer länger.

Die alte Hoffnung auf Firmenansiedlung durch die A 39 wird ebenso gern aufgewärmt und durch schiefe „Beispiele“ belegt: Denn Uelzen liegt nun mal nicht wie Soltau im Dreieck Hamburg-Hannover-Bremen und hat auch keine Sondersubventionen wie das ostdeutsche Zarrenthien. Und Winsen würde auch bei einer A 39 immer noch viel näher an Hamburg liegen als Uelzen.

Vielleicht suchen A-39-Befürworter mal nach einem Argument, das nicht so leicht in sich zusammenfällt. Oder noch besser: nach wirklichen Ideen für die Weiter-Entwicklung unserer Region – abseits von ideologischen A-39-Träumereien…

Eckehard Niemann, Bienenbüttel

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