Keine Freifahrt für Raser

Reaktionen zum Leserbrief „Wegausbau hilft Pendlern“ von Axel Braun, AZ vom 19. Oktober, sowie ein Leserbrief zum Artikel „Reger Widerstand“, AZ vom 23. Oktober:.

Mit Totschlags-, Halbwahrheits- und nur auf den ersten Blick plausibel klingenden Argumenten versucht dieser Autopistenfreund, eine Lanze für den automobilen Ausbau des Daller Weges quer durch kilometerlanges, traumhaft schönes Waldgebiet zwischen Hösseringen und Unterlüß zu brechen.

Herr Braun macht sich nicht nur ganz allgemein zum Fürsprecher von Autofahrern zwischen Suderburg/Hösseringen in Richtung Celle, Hannover und noch weiter weg. Er macht sich auch zum automobilen Berufspendler-Lobbyisten von im Unterlüßer Rüstungskonzern Rheinmetall Beschäftigten. Na „und?“, ruft Herr Braun nahezu jubilierend. „Das ist doch was! Das wär doch was, wenn das so wäre.“ Seine Begeisterung kennt offenbar keine Grenzen. 200 000 Autokilometer pro Jahr ließen sich einsparen, wenn der Wegeausbau des Daller Weges erfolgen würde. Unabhängig davon, dass restlos unbewiesen ist, dass Kfz-Fahrer, wenn sie denn einen zur automobilen Piste ausgebauten Daller Weg zur flotten Durchfahrt benutzen könnten, pro Jahr angeblich 200 000 Autokilometer einsparen würden (welche Verkehrsuntersuchungen liegen dem zugrunde?). Es ist schon mehr als zynisch, nämlich menschenverachtend, eine Waldidylle, die Lebensraum unzähliger Insekten und sehr vieler Tiere sowie Kulturlandschaft, Erholungsraum und „Grüne Lunge“ für den Menschen ist, wertemäßig niedriger anzusiedeln als einen Rüstungskonzern, der menschen-, natur- und zivilisationszerstörerische Instrumente und Techniken erforscht, herstellt und weltweit exportiert. Es darf nicht die Aufgabe von Ratsdamen und -herren im Kreistag sein, zumal sie laut Grundgesetz, Artikel 1, verpflichtet sind, das Leben und die Würde eines jeden Menschen zu achten und zu schützen, den bei Rheinmetall Beschäftigten quasi einen „Roten Teppich“ in Form eines schnurgeraden autofreundlichen Arbeitsweges auszubreiten. Zielführend ist vielmehr, Rheinmetall & Co. zu entrüsten!

Raymonde Harland,

Hamburg

Der Bodenteicher Rat stellt gerade fest, dass die Einnahmen deutlich hinter den Erwartungen zurückliegen. Über das dortige Prestigeobjekt Schützenhaus herrscht Schweigen bzw. Ratlosigkeit. Eine Auflistung der jährlichen Buchungen für jenes Haus ist den Lesern ebenfalls vorenthalten worden. Der Landkreis ist mit Steuergeldern seitens des Landes teilentschuldet worden. Daraus sollte man eigentlich mit gesenktem Haupt gelernt haben, aber nichts dergleichen.

Einerseits plädiert man für Investitionen in Schulen und marode Straßen, andererseits jedoch für den komfortablen Ausbau eines Waldweges in einer unberührten Waldregion, um „Besucher für das Museumsdorf“ einerseits zu gewinnen und „für Pendler nach Unterlüß“ den Weg zu verkürzen. Verehrter Herr Reese, wo beginnen eigentlich irrwitzige Visionen und wo enden sie? Schon Fragen nach eventuellen Firmen, die Interesse an der A 39 bekundet haben könnten, fielen zu Null aus. Sie und auch der ortsansässige Landtagsabgeordnete haben im letzten Jahr sehenden Auges und mit Einschränkungen hilflos geduldet, dass eine Firma über Monate die Zufahrt über die Verbindungsstraße zum Museumsdorf und das Restauranthotel Landtagsplatz durch katastrophales Management blockiert und nachwirkend Frust und Kosten verursacht hat. Und: Hatten Sie nicht größte Bedenken gegen die damalige Trassenführung der A 39 im Bereich eines schützenswerten Biotops im Bodenteicher Bereich?

Dieter Lilie,

Lehmke

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