Keine „Frechheit“, sondern Recht

Inklusion ist ein Menschenrecht. Foto: dpa
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Inklusion ist ein Menschenrecht. Foto: dpa

Hubert Kallien aus Gerdau, ehemaliger Förderschulrektor der Bevenser Dohrmann-Schule Bad Bevensen, schreibt zum Bericht „Anschlag auf die Schulvielfalt“ (AZ, 31. Januar 2015):.

Wenn Niklas-Johannes Günther in der Stellungnahme „Attacken auf die Förderschule Lernen“ beklagt, dann übersehen er und seine Freunde von der Schüler Union, dass spätestens seit 2006 die Teilhabe behinderter Menschen ein Menschenrecht und kein Akt der Fürsorge oder Gnade ist. Mit der Behindertenrechtskonvention (BRK) der Vereinten Nationen hat sich auch Deutschland mit seiner Unterzeichnung dazu verpflichtet, sie umzusetzen.

Ausgehend vom Prinzip der Gleichberechtigung gewährleistet die UN-Behindertenrechtskonvention damit ein einbeziehendes (inklusives) Bildungssystem auf allen Ebenen und lebenslanges Lernen.

Behinderte Kinder dürfen also nicht aufgrund ihrer Behinderung vom Besuch einer Grundschule oder einer weiterführenden Schule ausgeschlossen werden. Vielmehr soll ihnen gleichberechtigt mit anderen nichtbehinderten Kindern der Zugang zu einem einbeziehenden (inklusiven), hochwertigen und unentgeltlichen Unterricht ermöglicht werden.

Nun kann Herr Günther wie sein Parteifreund Helmut Kohl die Gnade der späten Geburt für sich reklamieren und in Anspruch nehmen, dass er nicht alles wissen muss. Aber es war in der 150-jährigen Geschichte der Hilfs-, Sonder- und Förderschule noch nie so, dass ohne eine Entscheidung der Schulbehörde ein Besuch einer dieser Schulen möglich war. Das wird auch in Zukunft nicht so sein, dass Eltern ohne eine Entscheidung der Landesschulbehörde eine Förderschule für ihr Kind wählen können.

Es geht also nicht um eine „Frechheit“ und „Gleichmacherei“, sondern um den Versuch, ein Menschenrecht umzusetzen. Dabei stehen Lebensbereiche wie Barrierefreiheit, persönliche Mobilität, Gesundheit, Bildung, Beschäftigung, Rehabilitation, Teilhabe am politischen Leben, Gleichberechtigung und Nichtdiskriminierung im Zentrum.

Grundlegend für die UN-BRK und die von ihr erfassten Lebensbereiche ist der Gedanke der Inklusion: Menschen mit Behinderung gehören von Anfang an mitten in die Gesellschaft.

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