Keine Alt-Nazis, bitte

Zur Straßennamen-Diskussion: Liebe Bürger von Uelzen, ganz offensichtlich hat meine zum 8. Mai letzten Jahres anlässlich der Veranstaltung, der Initiative „Keine Nazistraßennamen in Uelzen“ vorgetragene Grußbotschaft an Aktualität nichts eingebüßt mit. Da in der Presse im Mai letzten Jahres darüber nichts berichtet wurde, übermittle ich sie jetzt in Leserbriefform.

Warum interessiert sich Peggy Parnass für Straßennamen in Uelzen? Weil landauf, landab in Deutschland flächendeckend, hochgeehrtes Pack und hochgeachtetes Gesindel gefeiert wird. So auch der NS-Kriegsverbrecher Friedrich Flick. Der - nachdem er im 2. Weltkrieg Zehntau¬sende Zwangsarbeiter für sich schuften ließ - auch nach dem Krieg ein Multi-Industrieller war. Was ihn zu einem der weltweit reichsten Männer machte. Nach ihm sind, aus Dankbarkeit, nicht nur eine, sondern sogar mehrere Straßen benannt.

Und was ist mit Uelzen? Ja, auch in Uelzen sind Straßen nach tüchtigen Nazis benannt. Nur..., hier wollen sich viele nicht immer weiter damit abfinden. Als gäbe es keine Alternativen. Als gebe es im Land der Massenmörder, der Denunzianten und Mitläufer nicht Menschen - wenn auch nicht viele -auf die man wirklich stolz sein könnte. Und stolz sein müsste.

Nicht die Hohen Militärs, die Mitte 1944 zu ihrem Entsetzen sahen dass der Krieg nicht mehr geschickt geführt wurde, dass der Krieg nicht mehr erfolgreich verlief, und die sich darum per Attentat einschalten wollten. Leider sehr ungeschickt. Aber immerhin.

Neins an die Widerstandskämpfer der ersten Stunde denke ich. Zum Beispiel an den Hafenarbeiter Tönnies Hellmann. An den jüdischen Elektriker Rudi Neumann. An Wolf Biermanns jüdischen Vater Dagobert zum Beispiel. Und an den wunderbaren für seinen Widerstand schon am 06. Juni 1935 in Hamburg-Fuhlsbüttel mit dem Handbeil geköpften Fiete Schulze. Keiner von diesen großartigen Männern und Frauen wurde hier jemals geehrt. Sie wurden nie hervorgehoben. Nie wurden sie zu Ehrenbürgern ernannt.

Wie dumm von den Deutschen, die sich mit ihnen hätten schmücken können. Es ist höchste Zeit, wenigstens hier und da eine Straße nach ihnen und nicht nach irgendwelchen Altnazis zu benennen.

Auch in Uelzen.

Peggy Parnass,

Hamburg

Anmerkung: Frau Parnass war lange Jahre eine bundesweit bekannte Gerichtsreporterin und Kolumnistin, unter anderem für die Zeitschrift „Konkret“.

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