Kein Entweder hier oder dort

Leserbrief zum AZ-Artikel vom 23./24. April 2011, A 39 - „Lob für die Gewichtung“

Der CDU-Ortsvorsitzende und Landwirt Hans-Heinrich Sackmann bringt es treffsicher auf den Punkt: „Wir machen uns große Sorgen, ob und wie wir unsere Betriebe überhaupt noch weiterführen können, wenn die A39 gebaut ist“. Die Betonung liegt auf: „wenn die A39 gebaut ist“. Soll heißen: Es geht nicht darum, ob sie hier oder dort oder anderswo – weitgehend parallel in einem Korridor zum ESK bzw. zur B 4 – gebaut, oder ob sie hier oder dort ein paar hundert Meter nach Osten oder Westen verschoben wird. Sondern es geht um die A 39 als solche. Die Vernunft gebietet: Sie gehört überhaupt nicht gebaut.

Die Hohnstorfer Kollegen der Groß Hesebecker, der Röbbeler und der Oetzendorfer Bürger und Bauern lehnen nicht nur die bei ihnen in Hohnstorf vor der Haustür geplante, rund 24 Hektar betonierte, bodenver–siegelnde Tank und Rast-Anlage ohne Wenn und Aber ab. Sie haben das eigentliche Problem A39 kurz, bündig und weitsichtig auf den Begriff gebracht: Das Übel muss an der Wurzel bekämpft werden. Das Übel ist die A39. An deren Trassenführung herum zu doktern, ist reine Quacksalberei. Völlig falsch ist es, wenn Kreislandwirt Thorsten Riggert – ebenso wie der CDU-MdL Jörg Hillmer ein A39-Befürworter, der den Menschen die A39 als langfristiges Zukunftsprojekt verkauft – als Popanz einen Widerspruch zwischen Arten-, Natur- und Umweltschutz sowie Existenzschutz bäuerlicher Landwirtschaft und Menschenschutz konstruiert und aufbaut.

Das wird auch nicht besser mit Wut im Bauch. In unserer einen Welt gehört das kausal und gleichwertig alles zusammen. Nichts davon darf gegeneinander ausgespielt werden. Unter die Räder käme durch die A39 nicht nur das eine Schutzwürdige, oder das andere, sondern alles. Spätestens nach Fukushima sollte das auch der letzte Agrar-Funktionär, Minister, Kreis- und Landtagsabgeordnete begriffen haben. Als Treppenwitz mutet geradezu an, „die Entsiegelung von Grundstücken als Kompensation anzuerkennen“. Ist es doch gerade die A39, durch die auf 105 Kilometern Länge massenhaft Grund und Boden betonversiegelt werden soll. Der Gipfel an Schwachsinn ist der Vorschlag Jörg Hillmers, bei Eingriffen in die Natur aufgrund des Baus der A39 die Suche nach Ausgleichsmöglich–keiten großräumig auszulegen.

So sei, laut Hillmer, „über die Lüneburger Heide hinaus auch die Elbtalaue für Ausgleichsmaßnahmen denkbar“. St.-Flo–rian, ich hör’ dir trapsen, fällt einem da nur noch ein. Die Landwirte rund um Oetzendorf werden sich dafür bedanken, für den Verlust ihrer Böden Aus–gleichsflächen entlang der Elbe zwischen Hitzacker, Dömitz, Gartow und Schnackenburg zu erhalten, nur damit die A39 hier über ihre angestammten Äcker und Felder hinweg gebaut werden kann. So oder so blieben nicht nur sie auf der Strecke. Allen sollte als Ziel gemeinsam sein: Landwirtschaftliche Existenzen, lebenswerte Dörfer sowie eine gesunde Umwelt zu erhalten, und das alles nicht durch eine A39 kaputt zu machen.

Borvin Wulf

Suderburg

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