Kaum Störfallmanagement

Aus der Erfahrung eines Metronom-Reisenden:.

„Im Mittelpunkt unserer Unternehmungen stehen Sie als unser Kunde.“ Um wohlfeile Sprüche ist die Metronom-Eisenbahngesellschaft auf ihrer Webseite nicht verlegen. Die hehren Worte auch umzusetzen, fällt dann schon deutlich schwieriger: Freitagabend um 17.56 Uhr verlässt der Metronom noch pünktlich den Hamburger Bahnhof in Richtung Uelzen mit – so meinen jedenfalls die gutgläubigen Fahrgäste – Anschluss nach Hannover.

Was ihnen verschwiegen wird: die Strecke ist wegen eines bei Bienenbüttel umgestürzten Baumes gesperrt. Schon der eine Stunde vorher gestartete Zug musste die Fahrt in Lüneburg unterbrechen. Anstatt insbesondere Fahrgäste nach Hannover sogleich über Bremen oder Verden umzuleiten, werden sie in die Sackgasse nach Lüneburg gelockt. Offenbart wird das Debakel erst in Winsen: Es stauen sich inzwischen so viele Züge in der Hansestadt, dass der Metronom erst einmal eine halbe Stunde warten muss, ehe er in Lüneburg auch nur einfahren kann.

Der Zug steht schließlich schon am Bahnsteig, als die Zugbegleiterin den Fahrgästen über Lautsprecher eröffnet, dass sie sich erst einmal telefonisch erkundigen müsse, wie es weitergehen könnte. Dann die Durchsage: Es gebe einen Schienenersatzverkehr. Vorsorglich verkünden die Bahnhofslautsprecher, dass allerdings niemand wisse, wann die Busse denn führen.

Jedenfalls warten Hunderte von Reisenden, viele schon länger. Busse für den Schienenersatzverkehr gibt’s nur vereinzelt. Schnell ist klar: Es reicht vorne und hinten nicht für den Feierabend- und Wochenendverkehr, obwohl die Streckensperrung schon seit rund zwei Stunden besteht.

Nicht dass Busse insgesamt knapp wären. Eine ganze Flotte verlässt leer den Lüneburger Bahnhof – um in das Depot zu fahren. Auch nur einige davon für den dringend benötigten Ersatzverkehr umzudirigieren, hält bei der Eisenbahn offenbar niemand für nötig. Lasst die Reisenden doch frieren! Informationen fehlen. Dafür halten die wenigen Busse des Ersatzverkehrs mal am Anfang des Bussteigs und dann auch mal hundert Meter davon entfernt, damit bloß keiner weiß, wo er sich anstellen könnte.

Gegen 20 Uhr über Lautsprecher die vermeintlich frohe Botschaft: Gegen 20.30 Uhr komme ein ICE, der dann weiter nach Süden über Uelzen fahre. Dieser trifft auch gegen 20.45 Uhr ein, noch wird über die Bahnsteiglautsprecher verkündet, dass es in Richtung Süden weitergehe. Die Reisenden im ICE wissen es schon besser: der Zug fährt zurück in Richtung Hamburg. Aber keine Sorge: Im Laufe der Nacht werde Hannover trotzdem erreicht. Und über Hamburg sei es dorthin immer noch schneller als vermittels des vom Metronom organisierten Schienenersatzverkehrs. Wohl richtig: Selbst Uelzen wird nach weiterem langen Warten in Lüneburg, einer Fahrt nach Bienenbüttel mit anschließendem weiteren Warten auf den dortigen Anschlusszug erst kurz vor 23 Uhr erreicht.

Ein solches Missmanagement macht deutlich, dass die Politik aufgerufen ist, den Bahngesellschaften klare und sanktionsbewehrte Vorgaben für ein wirksames Störfallmanagement zu machen. Das Vertrauen der Bürger in den öffentlichen Personenverkehr darf sich nicht nur auf Schönwettertage beschränken, sonst verpufft letztlich die milliardenschwere staatliche Förderung.

Thomas Pfitzner,

Uelzen

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