Leserbrief

Kaiser Wilhelm I.: Überflüssige Krittelei

Stephan Tuband antwortet auf Joachim B. Meyers Leserbrief „Eine volkstümliche Gaukelei“, AZ vom 14. Juli:

Ja, wenn man sich nur bemüht, kann man wohl in jeder Suppe ein Haar finden ... Natürlich steht es jedermann völlig frei, die Veranstaltung „Der Kaiser kommt“ in Bad Bevensen für albern oder auch überflüssig zu halten. Den Ansatz des Herrn Meyer in dessen Leserbrief halte ich allerdings für unangemessen – historische Korrektheit hin oder her. Als ehemaliger Einwohner dieser Stadt finde ich es mehr als löblich, dass sich Jahr für Jahr genug Menschen finden, die ihre kostbare Freizeit opfern, um dort überhaupt einmal etwas mit Schauwert auf die Beine zu stellen. Dass in diesem Fall das Ganze auch noch einem nicht unerheblichen Aufwand unterliegt, sollte ebenfalls nicht vergessen werden. Insofern findet diese Veranstaltung nach wie vor meine volle Anerkennung und verdient Respekt. Was Herr Meyer in seinem Brief offenbar ausblendet oder aber nicht begreift, ist die Tatsache, dass es hier eben nicht um die Huldigung der Person Wilhelm I. geht, sondern lediglich um die historische Begebenheit seines damaligen Besuchs und dessen Nachstellung. Dass die Begeisterung für dieses Schauspiel dabei nicht zwingend mit einer Verklärung der damaligen Zeit oder Verhältnisse einhergeht, sollte jedoch selbst ihm klar sein. Sicherlich war der Kaiser keine Lichtgestalt, die frei von jeder Kritik auf ein Podest gehoben gehört. Dies ist aber wohl auch, wie gesagt, nicht die Absicht der Veranstalter. Und sicherlich auch nicht die der anwesenden Zuschauer. Erwähnen möchte ich abschließend noch, dass nach der Logik seines Leserbriefs beispielsweise auch keine Bayreuther Festspiele mehr stattfinden dürften, auf denen Leben und Werk Richard Wagners Jahr für Jahr zelebriert werden. Schließlich war der Mann bekennender Antisemit und ist somit ebenfalls schwerlich als Vorbild geeignet. Trotzdem sind weder Zuschauer noch Organisatoren oder Musiker für seine diesbezüglichen Ansichten sonderlich anfällig.

Stephan Tuband, Westerweyhe

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