Leserbrief

Jammern auf hohem Niveau

Gabriela Kastens aus Bad Bevensen schreibt zur Badeärzte-Problematik in der Kurstadt.

Das Thema Fremdenverkehrsbeitrag der unterschiedlichsten Berufsgruppen ist und wird immer wieder im Fokus stehen. So fühlen sich die Kurärzte Bad Bevensens ungerecht behandelt. Zahlen sie doch weitaus mehr als ihre Berufskollegen, die keinen Kurarzt-Status innehaben.

Dass die klassische Badekur an Bedeutung verlieren wird und Bad Bevensen keine vier Badeärzte mehr brauchen wird, war vorauszusehen, meint Gabriela Kastens.

Natürlich kann es jeder nachvollziehen, wenn sich Ärzte für einen Kurort einsetzen, dafür besondere Fachschulungen und Weiterbildungen finanzieren müssen, und dazu einen Höchstbeitrag an Fremdenverkehrssteuern zahlen sollen – das ist ungerecht, sogar widersprüchlich? Hinzu kommt, dass es sich kaum lohnt, da es die typische Kur kaum noch gibt. Aber hier wäre anzumerken, dass die tendenziell geringer werdenden Kuren vorhersehbar waren und vier Kurärzte nicht nötig wären. Ja, liebe Kurärzte, das ist ungerecht. Aber was ist heute noch gerecht?

So zahlen wir Ferienwohnungsbetreiber seit der neuen Satzung 2000 Prozent mehr als noch zuvor. Dazu kommt, dass wir „Therme Plus“-Betreiber, die Therme-Eintrittskarten einkaufen, diese Preise an unsere Gäste weitergeben und auf diesen Umsatz den Fremdenverkehrsbeitrag zahlen. Hierbei handelt es sich nochmals um 20 bis 25 Prozent. Hotels zahlen laut Satzung wiederum nur einen Hebesatz von sieben Prozent.

Ein Diplom-Bauingenieur zahlt Fremdenverkehrsabgaben – ob er nun von Aufträgen aus der Stadt profitiert oder nicht, ist unerheblich. Warum zahlt ein Glaser mehr als ein Tischler? Viele haben gegen diesen Bescheid geklagt, aber an dieser Satzung können wir leider momentan nichts ändern. Außer, wir schließen alle gemeinschaftlich unsere Betriebe – nur leider wird es niemanden stören. Im Gegenteil, der Mitbewerber würde sich dessen erfreuen, denn es handelt sich nicht um die Stellung eines Monopols, wie bei den Kurärzten.

Wir könnten alle gemeinschaftlich auf hohem Niveau jammern. Aber auf Kosten der Gäste und des Ortes ein derartiges Theater zu veranstalten, empfinde ich als sehr unangemessen und peinlich.

Um den Bäderstatus beizubehalten, stellt sich ein Berufskollege im Ruhestand zur Verfügung, um hier schnelle Abhilfe zu schaffen und den Ort und somit uns allen Unterstützung zu geben. So hat dieser Berufskollege zeitlebens neben seiner Tätigkeit in der Politik mitgewirkt. Und dieses ohne besonderes Honorar – er hat sich für seinen Ort eingesetzt, in dem es ihm und anderen Ärzten recht gut erging – und springt nun wieder in die Bresche. Leider mit einem Tenor des Zynismus seiner Berufskollegen.

Wem ist nun geholfen? Wer wird ungerecht behandelt? Arbeiten wir doch gemeinsam an einer Lösung! Oder geht es hier immer noch um einen besonderen Berufsstand?

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare