Jagende schaffen auch Probleme

Leserbrief zum Artikel „Waldtiere in Gefahr“, AZ vom 25. März:.

Ich lese von Problemen mit der „nicht jagenden Bevölkerung“: Es ist unumstritten richtig, dass Hunde in Waldgebieten angeleint und Katzen generell kastriert gehören. Daran sollte sich jeder verantwortungsvolle Halter richten. Nicht zu verschweigen seien hier allerdings auch die Probleme mit Teilen der jagenden Bevölkerung. In Deutschland leben circa 82 Millionen Bürger, davon besitzen lediglich etwa 350 000 Bürger oder 0,43 Prozent der Gesamtbevölkerung einen Jagdschein, sind also eine große Minderheit, die sich im Wald bewegt und scheinbar durch gute Lobby-Arbeit die entscheidenden Stellen in Behörden, Aufsichtsgremien besetzen und Abschusspläne, Schonzeiten in Eigenregie festlegen.

Zu Herrn Hellbrügges Problemen mit der nichtjagenden Bevölkerung, die 99,57 Prozent der Bevölkerung ausmachen und zu der ich auch gehöre, möchte ich folgendes fragen und sagen: Wieviel Hobby- und Berufsjäger verträgt der Wald? Wer schützt das Wild? Alle Angaben oder Nichtangaben zu Abschüssen/Anschüssen von Jagdausübungsberechtigten sind unkontrollierbar. Die Realität bei der Jagd sieht anders aus: Den goldenen Blattschuss gibt es in den seltensten Fällen.

Wer schon einmal eine „Strecke“, das ist das aufgereihte geschossene Wild nach einer Drück- oder Treibjagd, gesehen hat, sieht abgeschossene Gliedmaßen, zerfetzte Tierkörper mit mehreren Einschüssen, nicht zu sprechen von dem tagelangen Leiden nichtgemeldeter Anschüsse des Wildes. Hier ist ein großes Problem, dass nicht Schießleistungsprüfungen stattfinden, man als Hobbyjäger also ohne Schussübungen auf schnell fliehendes Wild schießen darf, mit fatalem Ergebnis.

Die jagdausübende Minderheit, die sich bevorzugt in Geländewagen fahrend am Wochenende, wenn sich große Teile der 99,57 Prozent nicht jagenden Bevölkerung Erholung und Ruhe im Wald verspricht, stört den Waldfrieden und das Wild besonders bei der jetzigen Witterung durch überflüssige Autofahrten.

Wieso wird Rehwild gekirrt (Winterfütterung), ist man doch allgemein in der Jägerschaft der Meinung, der Bestand sei zu hoch. Spielen da etwa persönliche Eigeninteressen eine Rolle? Und: Es gibt keine Alkoholkontrollen von aktiven Jagdausübungsberechtigten – Welche Gefahr geht hier für die nicht jagende Bevölkerung (99,57 Prozent) und für das Wild aus?

Ich möchte diese Fakten und Fragen als Antwort auf die der Natur und der 99,57 Prozent der Bevölkerung gegenüber sehr arrogant wirkende öffentliche Kundtuung einiger Herren Hobbyjäger verstehen wissen.

Zum Schluss zur Jagd eigentlich: Ich bin kein Gegner der Jagd, solange hier Hege und Pflege praktiziert, Respekt vor der Natur und Kreatur gelebt und geachtet wird. Durchaus ehrenhaft und waidmännisch ist es meiner Ansicht auch, sich der natürlichen Ressourcen zu bedienen. Das kostet Zeit und Aufwand, Herzblut und Engagement, wie jedes andere Hobby und Leidenschaft auch. Ich weiß, dass es diese Jagdausübungsberechtigten, Heger und Pfleger, gibt.

Tim Meyer,

Altenmedingen

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