„Jäger zweiter Klasse“

Martin Ritschel aus Wriedel geht auf den Bericht mit dem Titel „Verwirrung um den Schalldämpfer“ (13. Dezember) ein:

Vielen Dank für die Berichterstattung über die unsägliche Situation niedersächsischer Jäger seit der Aufhebung des Schalldämpferverbots im Landesjagdgesetz. Die Minderung des im Wortsinne ohrenbetäubenden Schussknalls von ca. 160 dBA auf ein noch immer heftiges, aber eben nicht mehr gesundheitsschädliches Niveau von ca. 130 dBA war eine eitle Hoffnung vieler Jäger. Ein einmal geschädigtes Gehör regeneriert sich nicht. Man nennt das dann „Gewöhnung“ – oder auch Schwerhörigkeit. Die vom Bundesverwaltungsgericht als ausreichend bestätigten Kapselgehörschützer oder „In-Ohr-Dämpfer“ funktionieren in der Praxis nicht wirklich. Die Handhabung ist umständlich, ein natürliches Hören – für die Sicherheit sehr wichtig – ist damit unmöglich. Eine Kombination mit dicker Wintermütze und ggf. noch einer Brille ist eine Zumutung. Die Dämpfung des Schussknalls an der Quelle ist da die einzig sinnvolle Lösung. Übrigens auch für unsere Jagdhunde, an deren empfindliches Gehör wohl auch niemand gedacht zu haben scheint. Die meisten Bundesländer genehmigen deshalb seit einigen Jahren Schalldämpfer für Jagdwaffen. Viele europäische Länder auch. In Skandinavien geht kein Jäger ohne Schalldämpfer zur Jagd, im waffenrechtlich extrem restriktiven Großbritannien auch nicht. Auch das Bundeskriminalamt sieht keine Gefahr für die öffentliche Sicherheit.

Das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts betrifft nur den Einzelfall des Berliner Klägers und ist nicht bindend für die Genehmigungspraxis in Niedersachsen. Es fehlt in Hannover allein am politischen Willen. Sehr erstaunlich für das Bundesland mit dem mit Abstand höchsten Anteil an Jagdscheininhabern an der Bevölkerung. Mit dem sonnenbebrillten Meuchelmörder, der kamerawirksam den Dämpfer auf die Waffe schraubt, um mit einem kaum hörbaren „Plopp“ sein Opfer ins Jenseits zu befördern, haben wir Jäger nichts gemein. Wir sollen vorbeugend gegen die Afrikanische Schweinepest die Jagd auf Wildschweine verstärken und Jagd auf Nutrias machen, die die Deiche aushöhlen. Als Niedersachse aber immer als Jäger zweiter Klasse mit garantiertem Gehörschaden oder aber mit Kopfhörer oder Stöpsel im Ohr und neidischem Blick auf unsere „schallgedämpften“ Jagdgäste aus bürgerfreundlicheren Bundesländern.

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