AZ-Leserbrief

„Irrationale Phantasmagorie“

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AZ-Leser Borvin Wulf glaubt nicht, dass „eine aufgehübschte Therme“ in Bad Bevensen durch eine A-39-Anbindung für neue Besucher attraktiv wird. Das sei „purer Wünsch-dir-was-Voluntarismus“.

Zu den Beiträgen „Autobahn bringt neue Gäste“, AZ vom 19. Dezember, und „Drohungen und ideologische Scheuklappen“, AZ vom 21. Dezember, erreichte die Redaktion diese Zuschrift:

So so, die Autobahn bringt neue Gäste nach Bad Bevensen, orakelt Landrat Heiko Blume. Er sei „sehr, sehr sicher“, dass die A 39 positive Auswirkungen (welche konkret?) haben werde.

Landrat Blume, ein visionärer Vordenker? Und durch ihre Verbindung in Richtung Braunschweig und Wolfsburg (und Hamburg) werde eine aufgehübschte Therme für neue Besucher attraktiv. Abgesehen davon, dass realistischer nur relativ wenige Menschen den langen Weg aus den Regionen Braunschweig usw. über eine A 39 nehmen würden, um sich in der (wahrlich ja nicht einmaligen) Jod-Sole-Therme zu erquicken – was Heiko Blume betreibt, ist purer Wünsch-dir-was-Voluntarismus.

Aber selbst, wenn man mal einen solchen Faktor als realistisch unterstellt, dass eine A-39-Anbindung mutmaßlich einige neue Kur- und Tagesgäste in die Jod-Sole-Therme und wegen eines interessanten Kulturprogramms nach Bad Bevensen spült, ist diese Prognose ein eindimensionaler Blick auf das rund 100 Kilometer lange, bodenvernichtende, umwelt-, klima- und dadurch natur- und menschenfeindliche Autobahnprojekt, zumal in Bad Bevensen der Wirtschaftsfaktor Tourismus und Übernachtungen in den Rehakliniken eine positive, zunehmende Tendenz aufweist, und das ohne A-39-Anbindung (siehe Artikel „Die Gästezahlen steigen“, AZ vom 21. Dezember).

Die für die Therme notwendigen technischen Innovationen haben nicht das Geringste mit einer A 39 zu tun. Was Heiko Blume unterstellt, ist genauso voluntaristisch wie das, was der A-39-Lobbyist, Uelzens Bürgermeister Jürgen Markwardt, fabuliert, wenn er behauptet, wenn die A 39 gebaut würde, würden sich jede Menge neue Firmen rund um Uelzen ansiedeln, was zu mehr Arbeitsplätzen und erhöhtem Steueraufkommen führen würde. Zahlreiche dieser neuen Firmen würden jetzt schon mit den Hufen scharren, sich in oder rund um Uelzen anzusiedeln, wenn die A 39 gebaut würde.

Fragt man im Rathaus oder beim Landkreis Uelzen nach, welche Firmeninteressenten das konkret sind, wird erklärt, das sei top secret. Das nennt man Transparenz gegenüber dem Bürger als angeblichem Souverän in der bürgerlichen Demokratie. Die Pro-A-39-Behauptungen sind genauso eine irrationale Phantasmagorie wie die fast schon blasphemische Feststellung von Gerhard Sternitzke in der AZ vom 21. Dezember, wenn er schreibt, „von den Segnungen der Autobahn werden auch die Autobahngegner profitieren“.

Von Autobahnen ausgehende „Segnungen“ für die Menschheit? Fehlte nur noch, dass er als i-Tüpfelchen den Bau und Betrieb der A 39 mit Gottes Segen garniert und verklärt.

Borvin Wulf, Suderburg

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Leserbriefe geben die Meinung des unterzeichnenden Verfassers wieder. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor.

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