Im Innern herrscht Krieg

Zum Bericht „Kirchenmusikerin erhält Kündigung“, AZ vom 24. Dezember

Ich bin nicht Mitglied in der Kirchengemeinde Bad Bevensen, bin aber ehrenamtlich für sie tätig. Und darum erlaube ich mir, das Wort zu ergreifen. Die Weihnachtsfesttage liegen hinter uns und in den Gottesdiensten schien alles wie in allen anderen Jahren auch. Vielleicht fiel dem einen oder anderen auf, dass Kirchen- und Kinderchor fehlten und dass eine neue Organistin Dienst tat. Über die Gründe dafür war in dieser Zeitung mehrfach zu lesen.

Weihnachtsfrieden in der Kirchengemeinde Bevensen wird zwar nach Außen demonstriert, im Inneren aber herrscht Krieg. Hier ist nämlich etwas passiert, was leider und trotz aller anders lautenden guten Vorsätze immer und überall wieder zwischen Menschen passiert: In der Führungsetage gerieten Menschen aneinander und verletzten sich im Streit tief. Der Schmerz war so heftig, dass man mittlerweile nur noch vor Gericht miteinander verkehrt. Worum es ging, weiß wohl inzwischen keiner mehr so ganz genau, die Sache zieht sich mittlerweile über Jahre dahin. In der Gemeinde munkelt man zwar so dies und das, aber offiziell spricht man darüber nicht – Betriebsgeheimnis.

Folge dieses Streites ist, dass ein tiefer Graben die gesamte Gemeinde durchzieht. Es gibt nur noch Freund oder Feind, oder den unbequemen Platz zwischen allen Stühlen. Man überlegt inzwischen gut, wem man noch etwas erzählt – oder schweigt lieber ganz. Kontakte brechen ab, Freundschaften erkalten an dieser Geschichte. Es bewegt sich nichts mehr, eine Katastrophe für kirchliches Leben. Und eigentlich sind alle traurig darüber – und eigentlich hat doch wohl keiner gewollt, dass es so kommt.

„Der Mensch menschelt eben“ habe ich zu hören bekommen. Das ist wohl so – aber das darf hier nicht das letzte Wort sein. Ich bin es leid, mir jeden Sonntag schöne Predigten darüber anzuhören, wie das gemeint ist mit der christlichen Religion, um dann festzustellen, dass das alles im Alltag gar nicht gilt.

Dass Bedarf besteht für eine Initiative „D.A.V.I.D. gegen Mobbing in der evangelischen Kirche“ (AZ 14.07.10) empfinde ich als höchst befremdlich. Und es macht mich traurig, dass der Großteil der Gemeinde dem Drama widerspruchslos (oder desinteressiert?) zusieht. Interessiert es niemanden mehr, was Kirche sagt und tut?

Ich habe einen verspäteten Weihnachtswunsch: Ich möchte wieder spüren, dass das, was wir uns hier auf die Fahnen geschrieben haben, das was unser Boss – der Mann am Kreuz – uns vorgelebt hat, mehr ist als schöne Sonntagspredigt, dass es unter uns miteinander gelebt wird. Nächstenliebe im christlichen Sinne gilt ganz besonders dem, den ich überhaupt nicht leiden kann, dem, der mir so richtig auf die Füße getreten ist – schon vergessen? Nachzulesen im Lukasevangelium Kapitel sechs. Wie oft habe ich das in den Predigten gehört. Dass das nur sonntags zwischen halb zehn und halb elf gilt, hat mir niemand gesagt.

Ich möchte wieder spüren, dass man vertraut auf das, von dem man redet. Das man zeigt, es trägt – auch dann, wenn das dünne Eis unseres zwischen-menschlichen Miteinanders längst eingebrochen ist. Vielleicht sollten wir aufhören, unsere Kraft damit zu vergeuden, aufeinander einzuschlagen. Verwenden wir die Kraft lieber für den Versuch, aufeinander zuzugehen. Das ist nicht leicht in so einem Streit, das weiß ich aus eigener schmerzvoller Erfahrung. Und das funktioniert auch nur, wenn beide Seiten es wirklich wollen und Kompromissbereitschaft zeigen. Aber – wenn es hier nicht versucht wird – wo um alles in der Welt denn dann?

Ich wünsche uns allen gesegnete Weihnachtstage ( die Weihnachtszeit endet am 6. Januar - Epiphanias) mit viel Zeit zum Nachdenken, zum zur Besinnung kommen, und ein friedvolles neues Jahr.

Andrea Burmester,

Jelmstorf

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare