AZ-Leserbrief

Ideologie von gestern

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(Symbolbild)

Zum Bericht „Einwände ‘missbraucht’“ (AZ vom 15. August) äußert sich Uwe Krieg aus Römstedt:

Seit 14 Jahren engagiere ich mich mit vielen anderen Gleichgesinnten gegen den Bau der A 39. Gab es schon von Beginn an viele gute Gründe für den Widerstand, so sind im Laufe der Jahre weitere hinzugekommen und die alten haben an Gewicht gewonnen.

Welch einen Irrweg die A 39 darstellt, ist mir besonders klar geworden beim Durcharbeiten der Planunterlagen für den Abschnitt 2, um meine Einwendung vorzubereiten. Umso mehr erschüttert mich, dass verantwortliche Politiker auch heute noch an der Ideologie festhalten, die A 39 sei ein Segen für unsere Region.

Ich möchte die Herren Hyfing und Walther (stellvertretend für alle anderen Befürworter) allen Ernstes fragen, welche Argumente in ihren Augen heute noch für diese Autobahn sprechen. (...) Sie wird einen Nutzen für Wenige haben.

Der Schaden für Mensch und Natur ist nicht zu beziffern. Zur Begründung für den Bau einer Autobahn wird immer angeführt, dass der Nutzen höher sein muss als die Kosten. Dieses Nutzen-Kostenverhältnis liegt mit amtlichen 1,9 bei prognostizierten Baukosten von 1,1 Milliarden Euro schon jetzt denkbar schlecht. Kein Zeitgenosse wird heute noch den Planern abnehmen, dass es bei dieser Summe bleibt.

Damit dürfte die Autobahn eigentlich überhaupt nicht gebaut werden. Bei diesen Kosten werden Eingriffe in Lebensqualität, Wertminderung des Besitzes Betroffener und in die Natur sowieso nie berücksichtigt.

Die Gegner der A 39 kämpfen nicht einen „ideologischen Kampf gegen das Bauprojekt“, sie kämpfen gegen eine Ideologie von gestern, die den Fortschritt unter anderem in der Fläche überbauten Bodens misst.

Über den Fluch dieses Flächenfraßes konnte man (...) einiges in der Sendung „Länderzeit“ im Deutschlandfunk hören. Dabei wurde auch ein Zusammenhang mit dem erschreckenden Insektensterben erörtert. (...)

Es ist Aufgabe von Politikern, solche Zusammenhänge zu erkennen und vielleicht auch einmal frühere Entscheidungen zu überdenken und zu korrigieren. Sie müssen sich nicht immer nur mit Maximallösungen zufrieden geben, eine Nummer kleiner tut es manchmal auch, z.B. ein dreispuriger Ausbau der B4 mit Ortsumgehungen.

Dabei ließe sich viel Geld sparen, das zukunftsträchtiger an anderer Stelle eingesetzt werden könnte. (...)

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