Ideal geeignet

Zur Diskussion um die Veerßer Straße als Fußgängerzone:

Dass sich in den frühen Morgenstunden nur wenige Fußgänger und parkende Autos in der Veerßer Straße befinden, ist völlig richtig und völlig irrelevant für die Einrichtung einer Fußgängerzone. Städtische öffentliche Flächen beleben sich erst mit der Öffnung ihrer anliegenden Geschäfte und anderer nutzbarer Einrichtungen, wie Ämtern, Behörden, Büchereien, Museen, Märkten oder kulturellen Veranstaltungen.

Wenige parkende Autos lassen zu dieser Stunde darauf schließen, dass nur wenige Anwohner einen Pkw besitzen und ihn nachts vor ihrer Tür abstellen oder bereits auf dem Weg zur Arbeit sind. So müssten denn auch nur wenige Ausweich-Parkflächen gestellt werden, wenn eine Fußgängerzone geschaffen ist.

Die meisten Geschäfte in der Veerßer Straße öffnen um 9 Uhr. Kurz danach zeigt sich hier bis zum Ladenschluss am Abend ein völlig anderes Bild. Auf den Gehwegen herrscht reges, buntes Treiben und Flanieren neben gehetztem Erledigen der Besorgungen und nett plaudernden, beieinander stehenden Grüppchen. Radfahrer schieben vorbei auf der Suche nach einer Abstellmöglichkeit für ihr Gefährt. Da muss schon mal gewartet werden, bis der Fußgängerstrom gequert werden kann. Bei Sonnenschein sitzen die Besucher der beiden Eiscafes dicht gedrängt, um eine Gasse für den Fußverkehr zu lassen, und müssen durch Kunststoffstellwände vor den Abgasen der vorbeifahrenden Autos geschützt werden.

Diese beengte Situation muss nicht sein. Die Veerßer Straße bildet einen gut belichteten Raum mit angenehmen Proportionen und Flair durch zum Teil historische Gebäude und die Anbindung zum Kirchplatz der Marienkirche. All das macht sie aus städtebaulicher Sicht für eine Fußgängerzone ideal.

Natürlich muss eine Fußgängerzone „möbliert“ sein. Das meint aber nicht nur Stühle und Tische der Gastronomie. Das wird zweifelsohne geschehen. Die Möblierung öffentlicher Flächen und Räume meint vor allem Ruhezonen, Bänke, Papierkörbe, Fahrradständer, Info-Tafeln, Skulpturen, Wasserläufe, Brunnen, Spielgeräte, Bäume, Grünflächen und Aktionsflächen. Und die gekonnte, geglückte Kombination und Einfügung in den gewachsenen Bestand und feine, gezielte Beobachtung des menschlichen Verhaltens im Freien. Sich vom Einkauf auf einer Bank ausruhende Menschen möchten nicht auf ein geparktes Auto schauen. Sie möchten das Treiben ihrer Mitmenschen sehen, in Gesichter schauen, ein Lächeln erhaschen.

All das und mehr gehört zum Sachverstand eines Stadtplaners und Architekten. Vertrauen in sein Können und Konzept ist Voraussetzung für ein Gelingen. Uelzen ist seit Jahren auf einem guten Weg öffentlichen Raum zu gestalten. Ohne Reglementierung durch subjektive Interessen und des Budgets hat die negative Vision der Ödnis, in der sich dann Randgruppen tummeln, keine Chance.

Es gilt nicht etwas Wachsendes aufzuhalten, sondern durch Ideen, fundierte, positive Visionen und Aktivitäten mitzugestalten.

Gudrun Kohanke-Pfitzner,

Uelzen

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