„Ich werde verurteilt...“

Seit gestern gastiert Europas größter Circus in Uelzen, deshalb ist unter den Lesern eine Grundsatzdebatte über die Tierhaltung entbrannt.
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Seit gestern gastiert Europas größter Circus in Uelzen, deshalb ist unter den Lesern eine Grundsatzdebatte über die Tierhaltung entbrannt.

Die jüngsten Leserbriefe zur Tierhaltung im Cirkus Krone sorgen weiterhin für Diskussionen. So meint Ulrich Drolshagen aus Uelzen:

Frank Zwandulla schreibt in seinem Leserbrief „Tiere haben in der freien Wildbahn unbestritten mehr Platz. Nur ist dieser für das Wohlbefinden der Tiere nicht nötig. Denn ein Seelöwe taucht hunderte Meter, um zu jagen und Elefanten und Zebras unternehmen Wanderungen, um Futter Wasser und ggf. einen Partner für die Fortpflanzung zu finden. Dies alles entfällt in menschlicher Obhut.“

Aua, das tut weh! Ich schlage vor, wir sperren Herrn Zwandulla in eine drei mal vier Meter große Zelle. Herr Zwandulla hat in der „freien“ Wildbahn unbestritten mehr Platz. Nur ist dieser für das Wohlbefinden von Herrn Zwandulla nicht nötig. Denn ein Mensch fährt jeden Tag dutzende Kilometer, um zur Arbeit zu kommen und einzukaufen, geht abends aus, um ggf. einen Partner für die Fortpflanzung zu finden. Dies alles entfällt in der hypothetischen Obhut, die wir Herrn Zwandulla gewähren.

Für die frische Luft gibt es jeden Tag eine Stunde Hofgang und er bekommt drei Mahlzeiten. Damit er sich nicht langweilt, kann er ja Tüten kleben. Kaum etwas anderes kann das dumpf utilitaristische Verhältnis von uns Menschen zum Tier so auf den Punkt bringen, wie der zitierte Satz von Herrn Zwandulla.

Pietro Bento aus München arbeitet als Exotenstallmeister im Circus Krone, der derzeit in Uelzen gastiert. Er schreibt:

Ich arbeite mit Tieren und lebe in einem Circus. Seit ich ein Kind bin, wurde mir beigebracht, Tiere mit Respekt zu behandeln. Mein ganzes Leben hat sich schon immer nach den mir anvertrauten Tieren gerichtet, egal ob Privat, Freizeit oder Urlaub. Ich habe keine Vorstrafen, bin nie negativ aufgefallen und bezahle seit 20 Jahren ordnungsgemäß meine Steuern. Ich verfüge ebenfalls über eine abgeschlossene Schulausbildung, habe sogar ein Fernstudium absolviert. Fast 30 mal pro Jahr werden meine Tiere durch behördliche Amtstierärzte und Veterinäre kontrolliert. Noch nie wurden Missstände festgestellt.

Ich werde sogar vom staatlichen Veterinäramt München als Fachexperte vermittelt. Obwohl ich eine §11 Genehmigung (Tierschutzgesetz-Fachkundenachweis) habe, die jährlich durch Schulungen und Seminare erweitert werden muss, bezeichnet man mich als Tierquäler und schlimmeres. Ich werde als ungebildet und dumm hingestellt, von Personen die nie beruflich mit Tieren zu tun hatten oder fundierte Fachkenntnisse nachweisen können. Sie predigen „Freiheit für Tiere“ und halten ihre eigenen „Haus“tiere in zu kleinen Wohnungen, mit zu wenig Auslauf oder Beschäftigung.

Ich werde von fremden Menschen, die mir noch nie begegnet sind, beschimpft, beleidigt und diskriminiert. Vorbestrafte, Arbeitslose, Studenten, Schüler oder (bezahlte) Wochend-Möchtegern Experten verlangen von anderen Mitbürgern, mich zu meiden, zu boykottieren, zu ignorien. Selbst kleine Kinder werden von ihren Eltern genötigt, Schilder mit Beschimpfungen hoch zu halten und das nur weil ich mein Leben meinen Tieren verschrieben habe.

Diese Art von Verleumdung, Hetze und Verfolgung kenne ich eigentlich nur aus der Geschichte und sie hat nichts mit dem wahren Charakter des Tierschutzes zu tun. Ich werde verurteilt und diskriminiert, ohne ein Verbrechen begangen zu haben; nicht für die Person, die ich bin oder die Meinung, die ich vertrete, sondern für den Berufsweg, für den ich mich entschieden habe. Für ein Leben mit Tieren, in einem Circus.

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