Leserbrief

„Hochachtung vor Chefarzt“

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In der vergangenen Woche geriet die Klinik in Dannenberg in die Schlagzeilen, weil sich der Chefarzt der Gynäkologie weigert, Schwangerschaftsabbrüche vorzunehmen. 

Zu unserer wöchentlichen Kolumne „Von Woche zu Woche“ zum Thema „Ein Krankenhaus für alle Frauen?!“ (AZ von Samstag, 11. Februar) schreibt Hermann Otto aus Uelzen:

Der Verfasser (Anmerk. d. Redakt.: AZ-Chefredakteur Thomas Mitzlaff) beruft sich auf die „gesetzlich verankerte Selbstbestimmung“, die „nicht in unzulässiger Weise beschnitten“ werden darf.

Die Selbstbestimmung hat aber dort eine Grenze, wo das Lebensrecht anderer missachtet wird. Deshalb ist es eine berechtigte Frage, ob man Föten im Mutterleib töten darf; denn es handelt sich dabei nicht um unbestimmte Zellhaufen, sondern um menschliches Leben, dessen Individualität, seine genetische Veranlagung und sein künftiges Erscheinungsbild bereits festgelegt ist.

Herr Mitzlaff sollte sich einmal mit der Arbeit der Lebensschutzorganisationen (zum Beispiel Stiftung Ja zum Leben) befassen, dann könnte er erkennen, dass unsere Abtreibungspraxis auch eine Kehrseite hat: Viele Frauen leiden– zum Teil lebenslang – unter den psychischen Folgen. Die Tatsache, dass pro Jahr einige Hunderttausend Abtreibungen durchgeführt werden, belastet außerdem die ganze Gesellschaft, weil die nachwachsenden Generationen die Renten für die Alten nicht mehr bezahlen können.

Durch die vorgeburtlichen Untersuchungen ist es möglich geworden, Behinderungen und Defekte wie das Down-Syndrom festzustellen und die Geburt solcher Kinder zu verhindern. Wir könnten sie aber auch verschonen und in unser heutiges Förderprogramm zur Inklusion einbeziehen. Das wäre eine humane Lösung des Problems. Stattdessen fallen wir in verwerfliche Denkmuster vergangener Zeiten zurück, indem wir zwischen lebenswerten und nicht lebenswerten Menschen unterscheiden.

Meine Hochachtung gilt dem Chefarzt der Dannenberger Klinik, der lieber zurückgetreten ist als fragwürdige Kompromisse einzugehen.

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