„Wolf verängstigt Rotwild“ – Der Hirsch ist das Problem

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Für die beiden AZ-Leser Rolf Alpers und Martin Feck ist der hohe Bestand an Schalenwild, wie dem Hirsch, Hauptursache für die hohen Verbissschäden.

Zum Artikel „Wolf verängstigt Rotwild“ (AZ vom 5. Januar 2018) schreibt AZ-Leser Rolf Alpers aus Stadensen.

In den 80er Jahren gab es bei uns keine Wölfe. Als ich damals im Waldgebiet zwischen Hösseringen und der B 191 Vogelkartierungen vorgenommen habe, fielen mir die zahlreichen Rothirsche auf, die dort in Trupps von bis zu 30 Tieren durch den Wald streiften. Unübersehbar waren im Wald verteilte – laut Landesjagdgesetz verbotene – Futterstellen. Nur so können die Rothirsche in dem reinen Kiefernforst offenbar überleben. Und das tun sie auch und verbeißen und schälen die Bäume in einem Maße, dass es mehr geschädigte als gesunde Bäume gibt. Ein Förster sagte mir damals auf Nachfrage, dass die Verbissschäden und die wirtschaftlichen Verluste zwar enorm hoch waren, diese aber durch die hohen Jagdpachten mehr als ausgeglichen würden.

Die „Stiftung Unternehmen Wald“ hält eine Rotwilddichte von einem bis zwei Tieren pro 100 Hektar für tragbar. Umgerechnet auf 1000 Hektar Privatwaldfläche im Hösseringer Forst ergibt das zehn bis 20 Hirsche. Wenn auf derselben Fläche nun, wie in der AZ berichtet, 40 bis 45 Hirsche zum Abschuss freigegeben sind, dann bedeutet das, dass eine weitaus größere Zahl an Hirschen dort lebt.

Die hohe Schalenwilddichte ist nicht auf Hösseringen beschränkt. Deutschlandweit werden von Waldbesitzern die stark überhöhten Schalenwilddichten beklagt. Seit ich selbst Waldbesitzer bin, weiß ich aus eigener Anschauung, wovon ich rede: In 20 Jahren habe ich so hohe Summen für Wildschutzzäune investieren müssen, dass ich 130 Jahre Jagdpacht einnehmen müsste, um diese Maßnahmen zu finanzieren.

Die Verbiss- und Schälschäden nun aber dem Wolf in die Schuhe zu schieben, halte ich für absurd. In den 80er Jahren gab es bei uns keine Wölfe, und trotzdem gab es die hohen Schäden durch Schälen und Verbiss. Der Hirsch ist das Problem – nicht der Wolf.

Zum gleichen Artikel und zur geforderten Aufnahme des Wolfs in das Jagdrecht schreibt AZ-Leser Martin Feck aus Klein Pretzier:

Viele „Schlaue“ wollen den Wolf ins Jagdrecht aufnehmen. Für sie ist das der Schlüssel, um auffällige Tiere und „Problemwölfe“ bei Bedarf unkompliziert entnehmen zu können. Die Landesjägerschaft Niedersachsen (LJN) lehnt das jedoch ab, mit triftigen Gründen, wie ich meine. Der Wolf ist eine nach internationalem und nationalen Recht streng geschützte Tierart.

Eine Aufnahme in das Jagdrecht ist theoretisch nicht möglich, da dies einem Gutachten des Bundesamts für Naturschutz zufolge einen Verstoß gegen die Verfassungsmäßigkeit darstellt. Die Aufnahme des Wolfs in Länderjagdrecht würde an dem strengen Schutzstatus nichts ändern.

Schälschäden verursachen weitaus mehr Kosten als alle Wölfe in Niedersachsen zusammen. Hauptverursacher ist vor allem das Rotwild, daneben schälen auch Sika- und Muffelwild. Eine für den Wirtschaftswald durchschnittlich tragbare Dichte von Rehwild liegt bei ungefähr acht Stück pro 100 Hektar, bei Rotwild rund eins bis zwei pro 100 Hektar. Unzureichende Jagd oder ungünstige Abschusspläne bewirken, dass Wilddichten von bis zu 20 Stück Rehwild pro 100 Hektar durchaus anzutreffen sind. Ähnliches trifft auch für andere wiederkäuende Schalenwildarten zu. Der Wolf kann zu einer tolerierbaren Wilddichte beitragen.

Die wichtigste Vorkehrung zur Vermeidung von Wildschäden ist eine langfristig-stabile Regulierung der Wildbestände durch die Jagd.

Ein Bild eines Stückes Fallwilds als Beweis für einen Wolfsriss zu benutzen, finde ich makaber. Man beachte die heftigen Brunftkämpfe mit ihren, durch Forkeln herbei geführten, mitunter letalen Folgen.

Ich besitze seit 1979 den Jagdschein.

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