AZ-Leserbrief

„Hier wird auf Zeit gespielt“

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Der Flugplatz in Barnsen: „Wer glaubt an die Aussage, dass mittelfristig kein echter Bedarf für neue Hallen zu erwarten sei, wenn 2020 der Lüneburger Flugplatz dichtmacht?“, fragt AZ-Leser Fritz Kaune.

Zum Artikel „Vorerst keine weiteren Hallen, Bürgermeister legt Pläne für Erweiterung des Flughafens Barnsen auf Eis“, AZ vom 2.  Oktober, schreibt dieser AZ-Leser:

Die Botschaft in der AZ höre ich wohl, aber mir fehlt der Glaube, dass es so kommt, wie der Bürgermeister es in dem Artikel dargestellt hat. Auf „Eis gelegt“ heißt nicht, die Erweiterung ist gestorben.

Unnachahmlich, wie der Bürgermeister das Verfahren managt: Erst stellt er sich vor seine Zuhörerschaft im Casino des Flugsportvereins im August 2018 und überrascht Teile des Rates und Anwesende der Barnser Einwohner mit seinem Alleingang, dass er nur noch eine Halle im Entwurf des Planes vorsehe, und nun sind „die Grundlagen seiner Entscheidung“ Gespräche mit dem Eigentümer und dem Flugsportverein.

Gespräche, die er laut AZ allein mit „der CDU-Ratsfraktion abgestimmt“ habe. Herrscht in Gerdau ein neuartiges Landrecht, das dem Bürgermeister ohne den gesamten Rat und der damit verbundenen öffentlichen Erörterung diese Entscheidungsfülle zubilligt?

Wer glaubt an die Aussage, dass „mittelfristig kein echter Bedarf für neue Hallen zu erwarten“ sei, wenn 2020 der Lüneburger Flugplatz dichtmacht? Lärmbelästigung ist mit eine der größten Störquellen für unser Wohlbefinden, es reicht jetzt schon, dass die augenblicklich untergebrachten Motorflieger bei Flugwetter ihre Runden fliegen. Mehr Hallenfläche = mehr Flugzeuge = mehr Flugverkehr = mehr Anfahrten durch Barnsen zum Flugplatz = mehr Emissionen durch Flieger und Autoverkehr. Ob das alles in Zeiten des Klimawandels in eine Gleichung zur Verminderung unseres CO2-Abdrucks passt?

Hier wird auf Zeit gespielt. Flugzeuge werden mit Ölen, Fetten und Flugbenzin versorgt, Autos von Fliegern, Gästen und Besucherscharen bedeuten durchaus ein gewisses Gefahrenpotenzial durch Leckagen, und das innerhalb des Wasserschutzgebietes für die Stadtwerke Uelzen. Ganz zu schweigen davon, dass der Flugplatz noch nicht einmal an die zentrale Abwasserversorgung angeschlossen ist.

Welche Gefahren zusätzlich im Untergrund lauern, weil man zur Verlängerung der Startbahn in den 2000er Jahren einfach ca. 25 000 Tonnen hochbelasteten Eisenbahnschotter zur Einebnung des Geländes deponiert hat, steht auf einem anderen Blatt.

Fritz Kaune, Bohlsen

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