Leserbrief

„Hier sind Politiker in der Pflicht“

Corona-Ausbruch in einer Fabrik des Fleischkonzerns Tönnies: Laut AZ-Leser Arnold Kröger liegt es an den Politikern, gesetzliche Vorgaben auch umzusetzen.
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Corona-Ausbruch in einer Fabrik des Fleischkonzerns Tönnies: Laut AZ-Leser Arnold Kröger liegt es an den Politikern, gesetzliche Vorgaben auch umzusetzen.

Zum AZ-Artikel „Tönnies unter Druck“ vom 22. Juni erreichten folgende Leserbriefe die Redaktion:

Durch den Corona-Ausbruch unter den Leiharbeitern, oder sollte man besser „Sklaven“ sagen, der Firma Tönnies werden erneut die menschen- und tierverachtenden Praktiken deutlich. Dabei sind diese Methoden seit langer Zeit bekannt. Schon vor fünf Jahren versprach Tönnies bessere Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten; auch das Tierwohl sei erheblich verbessert worden. Im Übrigen übernehme seine Firma Verantwortung für 26 000 landwirtschaftliche Familienbetriebe.

Angesichts seiner noch nicht in Vergessenheit geratenen diffamierenden und rassistischen Äußerungen in Bezug auf Entwicklungshilfe in Afrika, sollte den jetzt in seinem Statement gemachten Beteuerungen, die Situation in den Fleischfabriken radikal ändern zu wollen, mit großer Skepsis begegnet werden. Hier sind verantwortliche Politiker in der Pflicht, gesetzliche Vorgaben auch umzusetzen.

Jedoch braucht niemand Sorge zu haben, die Fleischversorgung und damit der Grillspaß der Bevölkerung seien in Gefahr. Der Selbstversorgungsgrad bei Schweinefleisch liegt in Deutschland bei 120 Prozent, sodass der Ausfall der Tönnies-Fabrik in Rheda nicht wirklich relevant ist. Es werden dadurch wohl zwei Wochen lang lediglich 30- bis 40 000 Schweine weniger pro Tag (!) geschlachtet. Ein wirksamer Boykott der Verbraucher, von Anton Hofreiter ins Spiel gebracht, ist aber wohl eher unrealistisch. Hier wäre ein deutliches Signal der Handelsketten wahrscheinlich wirkungsvoller. Angesichts der Gewinnorientierung dieser Branche fehlt mir allerdings der Glaube an eine fundamentale Änderung der Verhältnisse. Arnold Kröger, Barnsen

Nun macht erneut das Arbeitsministerium in Berlin mobil und will Werkverträge in der Fleischindustrie verbieten. Mit diesem Ansatz wird Hubertus Heil (SPD) scheitern. Natürlich ist es nicht hinnehmbar, dass ausländische Arbeiter zu Billiglöhnen dort geknechtet werden. Auch müssen der Zoll und andere Behörden Zugang haben zu den Personaldaten. Allein, um zu kontrollieren, ob die Mindestlöhne je Arbeitsstunde bezahlt werden. Die Fleischfabrikanten, wie unter anderem Tönnies, müssen wie jedes andere Unternehmen eine Stammbelegschaft haben, die ausgerichtet ist am täglichen Arbeitsanfall. Für zusätzlichen Arbeitsanfall darf ein Betrieb Werkverträge mit Leiharbeitsfirmen schließen. So ist das bei Volkswagen, Airbus und anderen. Jürgen Hempel, Lüneburg. Leserbriefe geben die Meinung des unterzeichnenden Verfassers wieder. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor.

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