Hetzerei schürt Unsicherheit

Der Wolf als Konkurrent zur Jägerschaft? AZ-Leserin Katja Hildebrandt-Mertins glaubt, dass hier bei der Debatte um den Isegrim der eigentliche Hase im Pfeffer liegt.
+
Der Wolf als Konkurrent zur Jägerschaft? AZ-Leserin Katja Hildebrandt-Mertins glaubt, dass hier bei der Debatte um den Isegrim der eigentliche Hase im Pfeffer liegt.

Katja Hildebrandt-Mertins aus Brockhöfe-Bahnhof schreibt zum Bericht „Wolf wird zum Politikum“ (AZ, 10. Juni 2015).

Mir geht diese ganze Hetze gegen den Wolf mittlerweile ziemlich auf die Nerven. Wenn ich die ersten Zeilen des Berichts „Der Wolf wird zum Politikum“ lese, wird mir schon schlecht. Ja, der Wolf reißt auch Tiere… Unglaublich, aber wahr. Leider liegt es nicht in seiner Natur, in einen Supermarkt zu gehen und sich dort an der Fleischtheke mit Fleisch aus Massentierhaltung zu bedienen. Klar ist es ärgerlich und auch traurig, wenn mal Schafe und Kühe gerissen werden. Aber letztendlich sind dies auch Nutztiere, die nicht gehalten werden, weil sie so niedlich sind, sondern weil diese auch früher oder später in der Pfanne landen. Wenn man die Zahlen der „gerissenen Tiere“ im Vergleich sieht, ist das eher gering.

Wir sollten mittlerweile alle begriffen haben und auch wissen, dass wir im Landkreis Uelzen in einem „Wolfsgebiet“ leben und deshalb lernen müssen, damit umzugehen. Dazu gehört auch, seine eigenen Tiere mit sicherer Umzäunung zu schützen. Oder sich zu informieren, zum Beispiel im Wolfscenter Dörverden. Hier wird man wirklich gut beraten und aufgeklärt. Diese ganze Hetzerei schürt nur Unsicherheit. Und aus Unsicherheit und „gefährlichem Halbwissen“ wird Hass.

Wir sollten dem Wolf eine faire Chance geben. Ein Wolfsbeauftragter hat mal zu mir gesagt, wer einmal negativ auf dieses Thema eingestellt ist, wird es immer sein. Es ist schwierig, diese Menschen vom Gegenteil zu überzeugen.

Freilaufende Hunde greifen Kinder an oder reißen Rehe und vor nicht allzu langer Zeit stand ein Bericht in der AZ, dass laut Kreisjägermeister Heinrich Hellbrügge die Zahl der Jäger im Landkreis auf 2000 geschätzt wird. Vielleicht wäre es mal wichtiger, hier den Daumen draufzuhalten. Wer fragt schon nach, wenn Katzen und Hunde im Wald „abgeknallt“ werden oder mal aus Versehen trächtige Wildtiere? Hierüber wird dann kein Wort verloren.

Die Hobbyjagd ist der Artenfeind Nr. 2 gleich nach der konventionellen Landwirtschaft, sagt zum Beispiel der renommierte Zoologe Prof. Reichholf. Die Jagd zerstört das Gleichgewicht in den Naturabläufen. Mit dem Wolf hat der Jäger nun einen direkten Konkurrenten. Klar, dass er das nicht will. Er will ja schließlich weiterhin seinem Hobby nachgehen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare