Herzlichen Glückwunsch, Landes-CDU

Zur Schulpolitik: Es bedurfte nur dreier Kultusminister, zwei Legislaturperioden, zweier Fraktionen und einer Koalition ohne profilierte Bildungspolitiker und schon ist die Bildungslandschaft Nieder-sachsens trotz Vorbilder aus anderen unionsgeführten Bundesländern ruiniert.

Nachdem man die Hauptschule ausdrücklich stärken wollte, ist sie spätestens seit gestern völlig tot. Die Realschule, die früher mit ihrem Bildungsabschluss das Reservoir für die mittlere Führungsebene ausbildete und deren Absolventen bei entsprechender Eignung und Bildungswillen Aufstiegschancen in übergeordnete Positionen wahrnahmen, wird jetzt aufs Schafott geführt, um mit den wenigen verbliebenen Hauptschülern als Restschule den Anteil eines Schülerjahrgangs aufzufangen, der nicht zur neuen Hauptschule, dem Gym-nasium, geht.

Um das Problem zu kaschieren, braucht es auch einen neuen Namen - Oberschule! Aber wir Deutschen sind ja schon lange Etikettenschwindel der Politik gewöhnt. Schönfärberei gehört eben zum Handwerk und wurde zu jeder Zeit betrieben. Die Tatsache der Rest-schule kann Akzeptanz heischend besser hinter einem hochtrabend klingenden Namen verborgen werden. Gefährlicher Zivilisationsmüll wird beispielsweise auch in einem „Entsorgungspark“ verarbeitet.

Schade, dass offensichtlich nur Eltern von Gymnasiasten eine mächtige Lobby bilden und politisch so agieren können, wie es in Hamburg geschehen ist, als ein Volksentscheid den Senat zur Umkehr gezwungen hat. Wenn die Bevölkerung aber nun Hoffnung auf einen anderen Wahlausgang setzt, dann kann man ggf. vom Regen in die Traufe gelangen. Schlimm, wenn es dann nämlich wieder „rut ut de Kartüffeln geiht“.

Was Schule endlich braucht, ist ein bundesweit einheitlicher und weitgehend politikfreier Raum, der unqualifizierten Schulpolitikern nicht als Spielwiese dient. In unserer mobilen Gesellschaft benötigen wir im gesamten Bundesgebiet für unsere Kinder endlich über-schaubare und vergleichbare Schulstrukturen. Kinder dürfen bei einem Wohnortwechsel nicht die Leidtragenden sein. Wir brauchen einen langfristig garantierten Schulfrieden.

Friedrich Kaune,

Bohlsen

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