Herr Buhr will Zensur

Antwort auf den Leserbrief „Herr Niemann, Herr Wulf, es reicht!“, AZ vom 14. Juli:

In dem von der AZ an prominentester Stelle platzierten Leserbrief von Herrn Buhr geht es beileibe nicht nur darum, dass bestimmten Personen zu viel Platz in der Zeitung eingeräumt würde. Denn dann würde dies ja andere, Herrn Buhr wohl genehmere Personen, mindestens ebenso stark betreffen. Herrn Buhr und seinen Unterstützern geht es vielmehr darum, dass künftig bestimmte Inhalte und auch Kritik an bestimmten Themen nicht mehr auftauchen sollen. So regt sich Herr Buhr nicht etwa über diejenigen auf, die hier – gegen den massiven Protest aus der Bevölkerung – weitere Mega-Tierfabriken bauen wollen, sondern über die Kritik daran. Auch sollen die A-39-Befürworter offenbar weiter breiten Raum haben, nicht aber Gegner dieser Autobahnpläne. Man soll nicht Transparenz bei der Windanlagen-Planung fordern – stattdessen soll dies ohne diese Forderung nach Öffentlichkeit vonstatten gehen. Wenn der ohnehin familiär befangene Landrat mit seinen zweifelhaften Äußerungen öffentlich einen Quasi-Vorab-Freischein für die Hähnchenfabriken ausstellt und so seine Sachbearbeiter beeinflusst, soll man das demokratische Mittel der Dienstaufsichts-Beschwerde nicht anwenden dürfen. Welch ein obrigkeitsstaatliches (Miss-)Verständnis von Demokratie und Zivilgesellschaft, wenn dies als „Maulkorb“ für den Landrat und „Einnorden“ seines Stellvertreters diffamiert wird. Es geht also im Kern um Zensur gegenüber missliebigen Meinungen. Und zwar nicht nur in Bezug auf Leserbriefe (die ja ein zentraler Bestandteil der Demokratie über die bzw. gegenüber den Medien sind), sondern sogar ausdrücklich auch gegenüber „Artikeln“. Herr Buhr möchte also der AZ vorschreiben, worüber sie (nicht) zu schreiben hat. Als Pressesprecher einer Bauern- und einer Umweltinitiativen-Organisation ist es meine originäre Aufgabe, Dinge anzusprechen und in die Öffentlichkeit zu bringen. Ob dies dann veröffentlicht wird, entscheiden die Redaktionen. Und wer das liest, entscheiden die Leser. Wenn nun vieles von meinen Verlautbarungen, Fakten oder Einschätzungen von den Medien aufgegriffen und von ganz vielen Lesern geschätzt wird, spricht das ja eher für deren Seriosität und Bedeutsamkeit. Auch wenn es manchen nicht passt, die die Öffentlichkeit lieber für sich gepachtet hätten. Lieber Herr Buhr, auch wenn Sie diese Replik auf Ihre Anwürfe nun vielleicht wieder als „Stimmungsmache und Einschüchterung“ hinstellen möchten: Demokratie und Diskussion bleibt nun mal ein offener und mehrseitiger und hoffentlich auch fairer Prozess. Ich würde mich übrigens freuen, auch von Ihnen mehr Leserbriefe mit offen-inhaltlichen Positionen zu lesen. Denn Themen, die die positive oder negative Entwicklung unserer Region betreffen, gibt es ja viele. Wie es ja auch nie zu viele Leserbriefe und Leserbrief-Schreiber geben kann.

Eckhard Niemann, Bienenbüttel

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