AZ-Leserbrief

Grundwasser-Schutz hat Vorrang

Der Flugplatz bei Barnsen wurde auf mögliche Schadstoffbelastungen untersucht. Die Kreispolitik bekam nun ein Gutachten vorgestellt.
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Der Flugplatz bei Barnsen wurde auf mögliche Schadstoffbelastungen untersucht. Die Kreispolitik bekam nun ein Gutachten vorgestellt.

Für die Verlängerung der Start- und Landebahn des Flugplatzes in Barnsen wurde Ende der 1990er Jahre Gleisschotter benutzt. Mit Frage, ob es Gefahren durch eine Schadstoffbelastung gibt, beschäftigt sich der Landkreis. Ein Gutachten ist nun vorgestellt worden (Gefahren für das Grundwasser?, AZ vom 4. September). Dazu diese Leserzuschrift:

Die Vorstellung des Gutachtens zur Belastung des Grundwassers im Bereich des Flugplatzes Barnsen hat – der Themenstellung entsprechend – wenig Neues gebracht.

Aufschlussreich war er dennoch: So sprachen laut AZ-Bericht die beiden Referenten der Burmeier Ingenieurgesellschaft „einige offene Fragen“ an und meinten damit 1. die Frage nach der „Ausdehnung der schadstoffhaltigen Auffüllungen“ und 2. die Frage nach der Mächtigkeit der „Auelehmschicht“, die eine Aussickerung der im Sickerwasser festgestellten Schadstoffe in tiefer gelegene Grundwasserkörper „wenig wahrscheinlich“ mache.

Dass es in diesen zentralen Aspekten überhaupt offene Fragen gibt, lässt eigentlich nur folgende Schlussfolgerungen zu: Erstens: Die belasteten Gleisschotter wurden seinerzeit ohne fundierte Prüfung der geologischen Gegebenheiten aufgebracht, wobei zweitens nicht einmal die Ausdehnung der Aufschüttungen dokumentiert wurde. Mit anderen Worten: Die verantwortlichen Stellen haben damals ihre Schulaufgaben nicht gemacht und müssen dies nun mit dem geplanten Folgegutachten nachholen (lassen).

Bedenkt man, dass dies alles in einem ökologisch ohnehin sensiblen Bereich und zudem im Wasserschutzgebiet der Uelzer Wasserwerke erfolgte – und zwar nicht durch einen privatwirtschaftlichen „Umweltsünder“, sondern durch die öffentliche Hand –, ist dieses Vorgehen nicht gerade geeignet, das Vertrauen in unsere öffentliche Verwaltung zu stärken.

So wichtig die Beantwortung jener offenen Fragen auch ist, sollte das neue Gutachten aber vor allem klären, wie mit Sicherheit ausgeschlossen werden kann, dass Schadstoffe aus dem Schotter ins Grundwasser gelangen können – und nicht, ob dies nur „wenig wahrscheinlich“ oder „unwahrscheinlich“ sei. Der Hinweis der Referenten, „eine Gesundheitsgefahr“ bestehe nur dann, wenn man die gemessenen Schadstoffe „dauerhaft“ und in „großen Mengen“ zu sich nehme, missachtet den unschätzbaren Wert des sauberen Grundwasservorkommens, über das die Uelzener Wasserwerke (noch) verfügen.

Der Schutz dieses Grundwassers muss bei allen künftigen Maßnahmen rund um den Flugplatz natürlich an erster Stelle stehen. Vergessen sollten wir dabei aber nicht, weiter auf der Aufklärung der Vorgänge zu beharren, die vor 20 Jahren zur „Entsorgung“ von 30 000 Tonnen belastetem Gleisschotter im Wasserschutzgebiet der Uelzer Wasserwerke geführt haben.

Tilman Grottian, Bohlsen

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Leserbriefe geben die Meinung des unterzeichnenden Verfassers wieder. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor.

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