Leserbrief

Es gibt Alternativen

Reaktionen zum Leserbrief von Claus-Dieter Reese, „A 39 auf einem guten Weg“, AZ vom 5. Januar:

Argumentativ ist die A 39 nicht zu rechtfertigen, sei es aus Sicht des prognostizierten Verkehrsaufkommens, der Umwelt- und Naturbelastung, der wirtschaftlichen Entwicklung, der Sicherung von Arbeitsplätzen, der Hinterlandanbindung der Seehäfen oder der Kostenbelastung der öffentlichen Haushalte. Für alle diese Ziele gibt es bessere Lösungen.

Das weiß auch Herr Reese. Trotzdem schreibt er, gibt es zum Bau der A 39 keine Alternative. Will Herr Reese uns Sand in die Augen streuen?

Herr Reese weiß auch, dass die Anwohner von Melbeck, Jelmstorf, Tätendorf, Meine, … 70 bis 80 Prozent ihres heutigen Verkehrsaufkommens trotz Autobahn behalten werden. (Aussage des ehemaligen Landeswirtschaftsministers Walter Hirche).

Dennoch behauptet Herr Reese, würde die Lebensqualität dieser Anwohner durch die Autobahn steigen. Dass im Gegenzug die Lebensqualität anderer Anwohner durch die Autobahn (etwa durch Rastplätze, egal wo sie gebaut würden) belastet wird, scheint nicht sein Thema zu sein.

Auch Herr Reese weiß, Wirtschaft ist nicht alles, was zum Lebensglück der Menschen beiträgt. Trotzdem scheinen die Forderungen der IHK für ihn ausschlaggebend für eine Autobahn zu sein.

Herr Reese weiß auch, dass bereits heute die Instandhaltung der bestehenden Infrastruktur von den öffentlichen Haushalten kaum finanziert werden kann. Wenn also von der Faktenlage her die A 39 nicht zu rechtfertigen ist und Herr Reese sie trotzdem als alternativlos bezeichnet, müssen wir uns fragen, was motiviert ihn so an der A39 festzuhalten? Wenn Politiker derart agieren, ist äußerste Vorsicht gegenüber ihren Behauptungen angesagt.

Es legt den Verdacht nahe, dass Herr Reese durch den geplanten Bau der Autobahn das Wohlergehen bestimmter Interessengruppen im Auge haben könnte, etwa VW. Lassen wir uns also von Herr Reese nicht Sand in die Augen streuen und den Blick nicht vernebeln. Es gibt Alternativen. Man muss sie nur wollen.

Christian Klie,

Bad Bevensen

Der „Dauerleserbriefschreiber“ Borvin Wulf scheint Herrn Reese wohl mächtig zu ärgern. Wie ist es sonst zu erklären, dass er sich doch wieder als Sprachrohr der Initiative „Pro A 39“ betätigt, obwohl diese sich im vergangenen Jahr doch einen neuen Sprecher gewählt hat?

Der Vorwurf von Herrn Reese, dass Borvin Wulf wieder einmal Veranstaltungen bewertet, ohne an ihnen teilgenommen zu haben, ist völlig falsch und unberechtigt. Herr Wulf bezieht sich in seinem Leserbrief vom 22. Dezember auf den Besuch von McAllister in Suderburg und nicht auf die Veranstaltung der IHK in Lüneburg – aber das hat Herr Reese wohl nicht so genau gelesen oder lesen wollen. Ganz abgesehen davon, was hat der Besuch oder die Bewertung von Veranstaltungen mit einem wirtschaftsfeindlichen Verhalten zu tun?

Was die inhaltliche Darstellung der IHK-Veranstaltung in Lüneburg betrifft, kann ich keinen wesentlichen Unterschied zwischen den Äußerungen der beiden Herren erkennen, allerdings sind die daraus gezogenen Folgerungen sehr unterschiedlich.

Dass der Bau von Autobahnen und ähnlichen Großprojekten zunächst immer menschenfeindlich und natur- und umweltschädlich ist, daran dürften heute wohl allgemein keine Zweifel mehr bestehen. Und genau in diesem Punkt ist Borvin Wulf eben anderer Meinung als Herr Reese.

Aufgrund von Untersuchungen über die Auswirkungen eines Autobahnbaus glaubt er eben nicht daran, dass der mögliche Bau der A 39 einen wirtschaftlichen Boom in unserer Region auslöst.

Es ist nur ein anderer Ansatz als der von Herrn Reese, der davon ausgeht, dass die geplante A 39 für die Wirtschaft und uns alle nur Vorteile bringt – nur für die „wenigen hundert Betroffenen“ nicht, aber das ist offenbar ja nicht seine Zielgruppe!

Hans-Werner Nielandt,

Bollensen

Der Leserbrief fordert geradezu Widerspruch heraus. So ist Herr Reese beispielsweise der Meinung, dass es nur einige wenige hundert Betroffene gibt, sollte die A 39 gebaut werden.

In Wahrheit sind dies neben den Einwohnern der Orte, die die A 39- Trasse tangiert, in hoher Zahl Landwirte und Waldbesitzer, deren Eigentum durch die Autobahntrasse zerschnitten und deren wirtschaftliche Interessen beeinträchtigt werden. Ganz zu schweigen von den vielen freilebenden Tieren.

Es ist vermutlich richtig, dass einige Orte und die Einwohner selbiger vom Durchgangsverkehr und den damit verbundenen Emissionen entlastet werden; der Verkehr wird durch diese Orte aber auch weiterhin fließen. Diese dort „eingesparten“ Emissionen werden aber nur in andere Regionen verlagert, die Zahl der Betroffenen in anderen Bereichen wird also steigen.

Die Wirtschaft Uelzens ist bisher auch ohne Autobahn ausgekommen; Neuansiedlungen namhafter Unternehmen, wie zuletzt Firma Bien, erfolgten ohne Aussicht auf einen baldigen Autobahnanschluss.

Abgesehen davon dürfte die A 39 nicht zu finanzieren sein. Selbst wenn die Kosten nicht in einem Maße steigen wie beim Bau der Elbphilharmonie oder des neuen Hauptstadtflughafens, sind die benötigten Finanzmittel nicht vorhanden.

Ewiggestrige Thesen von Politikern wie Herrn Reese, die ihr Heil in immer mehr Wirtschaftwachstum mit all seinen Nachteilen suchen, sollten sich vielmehr dafür einsetzen, diese Natur zu erhalten, als den Bau der unsinnigen A 39 und damit die unwiederbringliche Zerstörung und Versiegelung der Landschaft zu propagieren. Seine Aussage, die Trasse der A 39 sei weder menschenfeindlich noch natur- und umweltschädlich, spricht für einem erheblichen Realitätsverlust.

Der Umfang dessen, was auf Dauer beeinträchtig oder gar zerstört wird, steht in keinem Verhältnis zum wirtschaftlichen Nutzen der A 39.

Ich hoffe jedenfalls, das die engagierten Bürgerinitiativen der vom Autobahnbau betroffenen Orte und die Naturschutzverbände den Bau der A 39 möglichst lange aufhalten und im besten Fall ganz verhindern können. Die Zeit arbeitet jedenfalls gegen die A 39.

Ulrich Lüttich,

Wrestedt-Lehmke

Sehr geehrter Herr Reese, Dogmen werden als unumstößliche Wahrheiten verkündet und haben für den Verkünder die angenehme Seite, dass sie nicht begründet werden müssen.

Was Sie zum x-ten Male wiederholen, hat durchaus den Rang von Dogmen. Ihre Äußerungen klingen wunderbar und sind wahre Totschlagargumente, die alle Gegenargumente zum Verstummen bringen sollen.

Schließlich die Feststellung: „Der Nordosten ist der größte autobahnfreie Raum Deutschlands“ – (siehe auch die Aussage von Herrn Ferlemann in der AZ vom 9. Januar). Das soll den Wert unserer Region ganz unten ansetzen und muss natürlich schleunigst behoben werden.

Sehr geehrter Herr Reese, das sind alles unbewiesene Behauptungen. Woher beziehen Sie, bitte schön, Ihre Erkenntnisse? Wir würden als Bürgerinitiative „Keine A 39“ gern von Ihnen diese (wissenschaftlich fundierten) Quellen erfahren, damit wir uns damit auseinandersetzen können. Wir können uns auf sorgfältige und umfangreiche wissenschaftliche Studien stützen, etwa von Professor Peter Pez, Leuphana-Universität Lüneburg, einem ausgewiesenen Fachmann.

Ihren Glaubenssatz im letzten Absatz Ihrer Leserzuschrift: „Zum Bau der Autobahn 39 gibt es für unseren Landkreis keine Alternative“ möchten wir erschüttern, indem wir ihm eine fundierte Alternative entgegensetzen.

Uwe Krieg,

Masbrock

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