AZ-Leserbriefe

Geteilte See-Meinungen

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2600 Quadratmeter Wasserfläche direkt neben dem Herzogenplatz: Diesen Plan verfolgt der Verein Ilmenaustadt – er wird unter den Uelzenern kontrovers diskutiert.

Die Pläne für einen See-Neubau und die jüngsten Entwicklungen („Der Politik fehlt das Bewusstsein“, AZ vom 23. Juni) hat eine große Leser-Resonanz ausgelöst. So schreibt Ulfert Zergiebel aus Oldenstadt:.

Der Verein mit dem Ilmenausee ist wohl an seine Grenzen gestoßen. Dass er ein Flop sein wird, wusste man schon zu Zeiten des Stufenwettbewerbs zum Rathaus-Neubau, denn von 49 Wettbewerbsteilnehmern hatte damals nur ein Teilnehmer den See vorgeschlagen. Der Tunnelblick auf das Objekt hilft also nicht weiter.

Die städtebauliche Situation ist südlich der Blockbebauung Schuhstraße durch eine größere Freifläche mit Verwaltungsbauten (Rathaus, Amtsgericht) geprägt, die eine Fortsetzung der Wohnstruktur wünschenswert erscheinen lässt. Ein See dagegen würde eine Zäsur darstellen, platzverschwendend und zu teuer sein. Eine intelligente Wohnbau-Verdichtung wäre geboten. Die angestrebte Wohnbebauung des Vereins müsste demnach ohne See über einen Bebauungsplan erweitert werden. Der Einbindung der Bulleninsel in ein grünes Gesamtkonzept stünde trotzdem nichts im Wege.

Eckart Warnecke aus Uelzen ist anderer Meinung:

Ich finde es sehr bedauerlich und auch irgendwie nur schwer nachvollziehbar, dass Kommunalpolitiker die Idee eines Sees im Zentrum der Stadt ablehnen. Dabei gibt es eine Vielzahl von Studien und Aufsätzen zu dem Thema, wie ökologisch wertvoll nicht nur ausreichend Grün in Städten ist, sondern welche großen positiven Effekte Wasser mit sich bringt. In Zeiten, in denen unser Klima immer mehr aus dem Ruder in Richtung Extremwerte läuft, sollten wir lieber Geld dafür ausgeben, unsere Stadt zu einem Vorreiter für die Verschmelzung von Wohnen und Natur zu machen. Statt wie im letzten Jahr über 150 Bäume im Bereich der Stadt zu fällen, sollten wir lieber baummäßig „aufrüsten“. (...)

Ich stelle mir einen See in der Stadt jedenfalls sehr schön vor. Man kann vom Herzogen-Platz direkt aufs Wasser schauen. Viele Städte würden Uelzen mit Sicherheit dafür beneiden. Und dies wäre womöglich nur der erste Schritt. Würde man tatsächlich das Kreishaus abreißen und woanders neu bauen, dann wäre hier viel Platz für eine weitere Seenlandschaft, die gleich hinter der ‚langen Brücke‘ beginnen könnte und bis zum Marktcenter reichen würde.

Alfred Fahldieck aus Uelzen merkt an:

Die Berichte sind sehr einseitig. Die Vorwürfe sollten nicht den Mitgliedern des Rates gemacht werden, sondern der Stadtverwaltung. Seit fünf Jahren kungelt die Verwaltung mit dem Verein über dieses Thema – mit dem Ergebnis, dass Aufgaben, die eigentlich die Stadtverwaltung machen müsste, von Privatpersonen gemacht wurden. Und deren Aussagen sind rechtlich nicht verbindlich. Wenn sich dann herausstellt, dass wesentliche Angaben zur Finanzierung nicht korrekt sind, ist niemand haftbar. Und jetzt sollen die Stadträte aufgrund solch unvollständiger Unterlagen ein millionenschweres Vorhaben abnicken? Es ist Sache des Bürgermeisters und der Stadtverwaltung, eine rechtssichere Vorlage einzubringen.

Michael Schulz aus Uelzen fordert:

Jetzt muss aber endlich mal Ruhe sein mit dem untz-thiemischen Mückentümpel. Wenn selbst die meisten Parteien, wie SPD, WIR, Grüne und FDP gegen dieses Projekt sind, dann muss doch wohl endlich diesen Herren ein Licht aufgehen, dass diesen „Tümpel“ keiner haben will. Allein die Instandhaltungskosten, die dann jährlich der Stadtkasse in Höhe von jetzt 50 000 Euro angelastet werden, stehen in keinem Verhältnis zum Nutzen. Im Gegenteil, warum hört keiner auf die alteingesessenen Uelzener? Die haben doch die Hochwasser erlebt, und jetzt will man diese Gefahr auch noch in Stadt holen?

Auch Borvin Wulf aus Suderburg äußert sich:

Wow! Im Gegensatz zum Ja zur A 39 ist das Nein zum lediglich 2600 Quadratmeter „großen“ Wasserbecken mal eine konstruktive und weitsichtige Entscheidung der SPD. Innerstädtische Flüsse und Seen sind nicht nur Juwelen und von großer ökologischer und sozio-demographischer Bedeutung für das Zusammenleben von Menschen und die Lebensqualität. Das gilt grundsätzlich.

Ein gravierendes Problem ist allerdings, wenn von interessierter Seite daraus profitorientierte Geschäfte gemacht werden sollen. Es ist natürlich blanker Unsinn von Phantasten, anzunehmen, in Großstädten würden kaufkräftige Menschen aufgrund exorbitant hoher Grundstückspreise oder Mieten wegen eines – sarkastisch gesprochen – gerade mal etwas größerem Ilmenautümpel und eines „attraktiven Umfeldes“ wegen (Stichwort: „Zukunft Stadtgrün“) von der Elbe, Alster oder Bille nach Uelzen umziehen.

Der Ilmenausee-Verein hat in seinem Plan, dass im Zuge des Baus des Sees im Zentrum der Stadt neben neuen Gastronomie- und (klein-)gewerblichen Betrieben auch neue Wohnungen entstehen sollen. Vergeblich aber sucht man Pläne für (preiswerte) Wohnungen rund um den See im sozialen Wohnungsbau, woran es auch in Uelzen immens mangelt.

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