Gesundheit – kein Handelsgut

Streik vor dem Uelzener Helios-Klinikum vor einem Jahr: Die Pflegekräfte müssen immer mehr Patienten versorgen, kritisiert AZ-Leser Joachim Meyer.
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Streik vor dem Uelzener Helios-Klinikum vor einem Jahr: Die Pflegekräfte müssen immer mehr Patienten versorgen, kritisiert AZ-Leser Joachim Meyer.

Zum Geschäftsführer-Wechsel am Helios-Klinikum Uelzen (AZ v. 2. Oktober) schreibt Joachim Meyer aus Uelzen:

Über die „Freistellung“ des hiesigen Klinikgeschäftsführers des Helios-Konzerns braucht man nicht spekulieren. Ein Blick in die veröffentlichte Unternehmensphilosophie der Krankenhauskonzerne, auch von „Helios“, liefert Gründe und die Erkenntnis, dass es wenig nützt, sich zu bemühen, beim „Tanz ums goldene Kalb“ eifrig mitzuwirken. Am Ende frisst das ausschließlich finanz- und gewinnorientierte Krankenhaussystem dennoch seine Kinder.

Das System bestimmt die Regeln und diese Regeln sind nicht mehr Patientenzufriedenheit, Arbeitsqualität und Berufsethos, sondern Profit, Dividende und Benchmark-Erfüllung.

Seit Beginn der Privatisierungswelle im Krankenhaussektor haben sich die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten massiv verschlechtert. Allein in der Krankenpflege sind über 50 000 Vollzeitstellen weggefallen. Heute versorgt eine Pflegekraft rund 25 Prozent mehr Patienten als vor ca. 20 Jahren. Arbeitsschichten können oftmals nicht mit ausreichend qualifiziertem Personal besetzt werden.

Die bundesweit jeden Monat geleisteten Überstunden sind gefährlich angestiegen und entsprechen einem Äquivalent von mehr als 15 000 Vollzeitstellen.

Das Personal ist chronisch überbelastet und dazu noch schlecht bezahlt. Die wichtige Fürsorgepflicht des Arbeitgebers ist längst zum Fremdwort verkommen.

Diese Aufzählung ließe sich beliebig verlängern. Es ist eine Schande! Währenddessen erzielen die Krankenhauskonzerne traumhafte Umsätze und Renditen. Allerdings fließt dieses Geld selten in die Krankenhäuser oder zu deren Mitarbeitern. Dieses Geld landet Jahr für Jahr bei den privaten Investoren.

Man muss dringend die Fehler der Privatisierung rückgängig machen. Das ist die Politik der Gesellschaft schuldig, denn Gesundheit ist kein Handelsgut, sondern Teil der Daseinsvorsorge, die nicht den Renditewünschen von Investoren geopfert werden darf. Vielleicht sollten auch diejenigen, die damals auf allen Ebenen die Privatisierung unterstützt und vorangetrieben haben, sich irgendwann vor der Gesellschaft für ihre krassen Fehlentscheidungen verantworten müssen.

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