AZ-Leserbrief

„Gesellschaft braucht kontroverse Auseinandersetzung“

Zur Kolumne „Himmeldonnerwetter noch mal“, AZ vom 3.  September, erreichte die Redaktion diese Meinung:

... Die Mitglieder der Gruppe Beherzt sind gesprächsbereite, offene Menschen, die zum Teil seit Jahrzehnten in schwieriger Nachbarschaft mit völkischen Familienverbänden leben. Der massive Vorwurf einer angeblich fehlenden Gesprächsbereitschaft beruht auf Unkenntnis. Mit Verlaub, verehrter Herr Professor Decker-Voigt, es kann doch nicht angehen, das Verhalten einer ganzen Gruppe deshalb als gesprächsunfähig zu bewerten, weil der Zugang zu einem Vortrag – trotz Anwesenheit der Polizei – nur für Demokraten vorgesehen war. Derartige Einschränkungen sind bei politischen Veranstaltungen wie in Ebstorf unbedingt notwendig. Auch in Niedersachsen ist die rechtsextreme Szene gewaltbereit.

Dem niedersächsischen Verfassungsschutz sind 880 gewaltbereite Rechtsextremisten bekannt. Verbindungen in die Szene der völkischen Siedler sind nachgewiesen. Seit 1990 sind in der BRD mindestens 196 Morde rechtsradikaler Täter (Antonio-Amadeo-Stiftung) aufgedeckt worden. Beide Vortragende und auch der Moderator stehen durch ihre Arbeit permanent im Fokus gewaltbereiter Rechtsextremisten. „Andrea, wir kriegen Dich!“ Die Veranstalter müssen ihre Referenten schützen.

Die Organisatoren kennen die gewalttätigen Pappenheimer, die sich – unerkannt von der Polizei – gerne in die erste Reihe setzen. Die Polizei schreitet auch bei Rechtsrock-Konzerten oft nicht ein, selbst wenn bekannte Nazis mit entsprechenden Symbolen auftreten und indizierte Songs gespielt werden.

Die Zivilgesellschaft braucht die kontroverse Auseinandersetzung mit den Rechtsextremisten, aber keinen gesprächstherapeutischen Schmusekurs ...

Dieter Thiel, Uelzen

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