Gerecht ist alternativlos

Sehr geehrter Herr Rittinghaus, Ihrem Beitrag haftet das Motto an: „Geht’s der Wirtschaft gut, geht’s allen Gut.“ Dem widerspreche ich aufs Heftigste.

Sie sagen selbst: Von den Reichen nehmen ist gerecht, aber dennoch falsch. Ich frage: Welche Alternative zu gerecht gibt es? Ungerecht? Ungerecht ist die Unterordnung der Staatspolitik unter dem Primat der Wirtschaft und des Marktes und nicht dem der Menschen. Ungerecht ist die Einrichtung eines Niedriglohnsektors (Kombi-Löhne, Leiharbeit, befristete Tätigkeiten, …) im Rahmen der Agenda 2010, welche Sie so loben, der die Arbeit entwertet. Von wegen: Arbeit soll sich wieder lohnen. Ungerecht ist, wenn der Neoliberalismus in Form des Bankenwesen wütet, er durch Rettungspaketen weiter unterstützt wird, dafür viele Milliarden locker gemacht werden, aber hier Büchereien und Schwimmbäder geschlossen werden. Ungerecht sind Steuerentlastungen während hier soziale Dienste immer weniger bekommen und sich die Versorgung immer schlechter gestaltet. Ungerecht ist, wenn die untersten Schichten, die das System selbst erzeugt hat, ihr Grundrecht auf soziale Sicherung mehr und mehr gekürzt und nur unter strengsten Auflagen bekommen, damit die Ökonomie weiter wüten kann. Ungerecht ist, wenn in Berlin 3,2 Kilometer Asphalt und viele vertriebene Haus- und Schrebergärtenbesitzer (rot-schwarz) wichtiger sind als Investitionen in die Zukunft in Form von Verbesserung der Bildung und Chancen (grün). Ungerecht ist, wenn auch bei wachsender Wirtschaft tausende Menschen entlassen werden. Ungerecht ist, wenn durch ein Wachstum der Wirtschaft wenige immer reicher werden und der Rest sehen kann, wo er bleibt. Was ist also Ihre Alternative zu gerecht? Sicher die Diktatur der Ökonomie. Zu was Ökonomie derzeit führt, sehen wir. Ich möchte hier nicht die Grünen verteidigen. Unter Rot-Grün wurde die Agenda 2010, die die Freiheit der Wirtschaft unterordnet, gebilligt. Aber die Grünen haben am ehesten eine Vorstellung von sozial gerecht. Und gerecht ist alternativlos.

Justus Peters,

Berlin

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