AZ-Leserbrief

„Generelles Umdenken nötig“

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Zwischen der B 4 und der Kleingartenkolonie Steinkreuz in Uelzen soll ein Autohof entstehen. „Der Nachhaltigkeitsgedanke ist beim Stadtrat immer noch nicht angekommen“, findet Thomas Gieger. 

Zur geplanten Tank- und Rastanlage im Bereich „Am Steinkreuz“ sowie zu diversen Klimaschutz-Aktionen in Uelzen schreibt dieser Leser:

Mehr als 1.500 Menschen gehen in Uelzen für Nachhaltigkeit und gegen den Klimawandel auf die Straße. Uelzener Kinder basteln mehr als 150 Insektenhotels bei der Stadtwette. Uelzen – die nachhaltige, insekten- und klimafreundliche Stadt?

Wenige Tage später beschließt ein sogenannter Fachausschuss für Stadtentwicklung der Stadt Uelzen die vollständige Vernichtung von mehr als fünf Hektar artenreicher Insekten-Wiesen im Bereich „Am Steinkreuz“ an der Groß Liederner Straße/B71. Der Grund: eine weitere Tank- und Rastanlage. Dieses Vorgehen ist nur als zynisch den Bürgern gegenüber zu bezeichnen.

Offenbar im Eilverfahren wird hier ein Mikro-Gewerbegebiet ausgewiesen, welches jedoch aufgrund seiner Lage und Größe ungeeignet ist. Nur einem beratenden Mitglied des Fachausschusses fiel auf, dass hier ein neuer Unfallschwerpunkt entstehen wird, wenn der abgehende Verkehr das Gelände nicht wie geplant stadteinwärts (!) verlässt, sondern auf der B 71 wendet, um wieder auf die B 4 zu fahren. Gebiete planlos nur nach Kartenlage auszuweisen, ohne sich vorab Gedanken über eine sinnvolle Verkehrserschließung und möglichen Auswirkungen auf die Anwohner zu machen, zeugt von geringer Fachkompetenz.

Uelzen braucht dringend mehr gut bezahlte Fach-Arbeitsplätze statt noch mehr Billiglöhner auf Stundenbasis. Für die Stadt zählt allein die erhoffte Gewerbesteuermehreinnahme. Die Realität sieht anders aus, siehe „Leuchtturmprojekt“ Marktcenter: Rewe und Aldi zogen nur um, dadurch wurde die wohnortnahe Versorgung in Veerßen und am Bohldamm drastisch verschlechtert. Auch neue Arbeitsplätze wurden nicht geschaffen.

Ähnliches wird auch im Fall „Am Steinkreuz“ eintreten. Mit der „Blauen Lagune“ und der Tankanlage an der Ripdorfer Straße besitzt Uelzen im Bereich B 4 bereits jetzt zwei leistungsfähige Tank- und Rastanlagen.

Die alles zeigt in erschreckendem Maße, dass der Nachhaltigkeitsgedanke beim Stadtrat immer noch nicht angekommen ist. Statt Willensäußerungen und dem Verteilen von LED-Lampen ist hier ein generelles Umdenken beim Flächenverbrauch zwingend notwendig. Leuchtturmprojekte sehen leider anders aus als ein 50 Meter (!) hoher Lichtwerbungsmast, der im Dauerbetrieb die Bewohner eines seit fast 70 Jahren bestehenden Wohngebietes beleuchtet. Der Investor freut sich, Oma Lisbeths Häuschen verliert drastisch an Wert. Dies ist mitnichten bürgernahes, nachhaltiges Handeln und eine weitere Uhlenköperei: Statt leckerem Birkhuhn wieder nur eine zähe Kröte (oder war´s ´ne Eule?).

Thomas Gieger, BUND-Kreisgruppe Uelzen

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