Leserbrief

„Gelebte Profitgier im Helios“

Harscher Kritik sieht sich das Helios-Klinikum ausgesetzt.
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Harscher Kritik sieht sich das Helios-Klinikum ausgesetzt.

Zum Artikel „Instrumenten-Mangel im OP“ (AZ v. 7. November) schreibt Sven Dzuba aus Suhlendorf:

Wo shareholder value regiert, hat die Menschenwürde keine Chance. Die Mängel stapeln sich und die schlechten Erfahrungen mit dieser Klinik auch. In den letzten Monaten bin ich ständig jeden Werktag zwei Stunden per Taxe unterwegs, weil zum einen die Helios-Klinik über keine Onkologie verfügt und ich zum anderen der Organisation dieser Klinik nur so weit traue, wie ich ein Klavier werfen kann.

Wer alles „outsourced“, verliert natürlich die Kontrolle über die Qualität. Wenn wie hier zu wenig OP-Besteck da ist, lässt das tief blicken. Sie haben also noch, nicht mal einen Autoklaven der bei über 130 Grad mit heißen Dampf OP-Besteck sterilisiert, wie es üblich ist. So ein Teil stand früher in jeder guten Zahnarztpraxis. Lasset uns beten, dass hier nie ein Zug entgleist oder etwas Ähnliches passiert, wo alles, was des Operierens fähig ist, gleichzeitig sauberes OP-Besteck braucht.

Ich lag als Patient dort, als eine mit diversen Gerätschaften bestückte Schwester mich mit einem falschen Namen ansprach. Zum Glück kam sie nicht dazu, einen Handgriff bei mir durchzuführen, den eigentlich irgendein anderer Patient gebraucht hätte.

Es ist ganz einfach – eine Klinik darf keine shareholder-value Melkkuh sein. Schon das Geschäftsmodell gehört untersagt!

Viele andere Mitbewohner meines Dorfes und aus der Umgebung haben kein Vertrauen mehr in diese Klinik. Ihren Ruf hat sie selbst nachhaltig zerstört. Der negative „Buschfunk“ ist nur eine Folge davon. Frage ich jemanden, wie es in der Helios-Klinik war, höre ich oft: „Ach hör doch auf...“

Zum selben Thema meint Dr. med Jens Ruff aus Uelzen:

Eine neue Dimension scheint erreicht und wird öffentlich! Was im o.g. Artikel noch mit Sparzwang umschrieben wird, entspricht wohl eher einer gelebten Profitgier, welche vor keiner Perversion zurückschreckt. Wenn jetzt geplanter Mangel – etwas anderem entspricht doch offensichtlich diese Konzern-Politik nicht – auch noch die medizinische Versorgung der Bevölkerung gefährdet, dann sind Grenzen überschritten.

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Wachen Auges kann man seit 20 Jahren verfolgen, wie „medizinische Versorgung“ zu einer blanken Dienstleistung degradiert und nur noch liquidiert wird. Mit Verantwortung – weder für Patienten, noch für Mitarbeiter – hat das überhaupt nichts mehr zu tun. Ärzte und Schwestern/Pfleger stehen tagtäglich bei Patienten und müssen Situationen retten, die von Betriebs-/Volkswirten und solchen, die das gerne sein wollen, herbeigeführt werden! SIE tragen die Last dieser Entwicklung und müssen sie den Menschen verkaufen, die eigentlich Hilfe bei ihnen suchen.

Diese ganze Misere ist doch ein regelrechter Aufschrei, der die Bevölkerung, die lokale und auch die überregionale Politik wecken muss! Waren es hier in Uelzen nicht Stadt und Landkreis, die vor Jahren die Verantwortung, den Versorgungsauftrag selber aus der Hand gegeben haben?

Es ist an der Zeit, dass sich diese Vertreter mal Gedanken um wirklich wichtige Dinge machen, als seit Jahren hinter ihren Bürotüren darüber nachzudenken, was es neben Media-Markt und Aldi noch für Mieter für ein sinnloses Center geben könnte. Die Verantwortung wird die Verantwortlichen einholen – so zumindest meine weiter fortbestehende Hoffnung.

Ich freue mich und bin stolz darauf, dass ich mit der Altmark – mit Salzwedel – einen Landkreis erleben darf, der sich diesen Entwicklungen mit aller Macht entgegenstellt und das Krankenhaus mit dem Versorgungsauftrag noch als „sein Krankenhaus“ und seine ureigene Verantwortung sieht.

Martina Scheinert aus Uelzen erklärt zur Krankenhaus-Berichterstattung:

Ich stelle nur eine Frage: Wo war denn die Aufsichtsbehörde in den letzten Jahren? Ich schließe mich der Meinung von Thomas Mitzlaff an: Das Uelzener Klinikum ist angesichts dieser aktuellen Vorgänge längst ein Fall für die Aufsichtsbehörde. Meines Erachtens ist es aber wohl schon zu spät . . . 

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