Es geht ohne Pestizide

Ein Bauer bringt Gülle auf. In Nordrhein-Westfalen hat sich die Qualität des Grundwassers in weiten Teilen deutlich verschlechtert. Rund 40 Prozent der Vorkommen sind so stark mit gesundheitsgefährdenden Nitraten belastet, dass dort kein Trinkwasser ohne Aufbereitung gewonnen werden könnte.

Zum Beitrag „Der Boden ist unser Kapital – Pestizide im Grundwasser“ (AZ vom 23. Juli) schreibt Arnold Krüger aus Gerdau:

Wenn man der verharmlosenden Logik des Bauernverbandsvorsitzenden Riggert folgt, dann sind Spuren der heute eingesetzten „Pflanzenschutzmittel“ in etwa 20 Jahren im Grundwasser zu erwarten. Hier treffen sie dann wahrscheinlich auf die erhöhten Nitratwerte aus dem selbstverständlich kontrollierten Gülle- und Substrateinsatz. Wie beruhigend; dann sind die Landwirte, die jetzt verantwortungsvoll mit dem Betriebsmittel Pflanzenschutzmittel umgehen, in Rente oder beginnen den nächsten 20-Jahre-Abschnitt.

Unsere Kinder und Enkel werden bald merken, dass 20 Jahre ein relativ kurzer Zeitraum sind. Der Boden mag legitimerweise das Kapital der Landwirte sein; das Trinkwasser ist das Kapital und die wichtigste Nahrungsgrundlage der gesamten Bevölkerung. Nebenbei gesagt, sollte die Trinkwasserversorgung nicht privatisiert werden. Erfreulicherweise sind einige früher bedenkenlos eingesetzte Gifte mittlerweile (zumindest in Deutschland) nicht mehr auf dem Markt. Wie „streng“ allerdings die Zulassungsverfahren sind, zeigt sich an dem aktuellen Verfahren zur Verlängerung der Zulassung von Glyphosat, dem weltweit am meisten eingesetzten „Wirkstoff“, der laut einer Arbeitsgruppe der WHO wahrscheinlich krebserregend ist. Rückstände fanden sich in Backwaren und im Urin des Menschen. Erst im letzten Jahr wurde der Einsatz bis kurz vor der Ernte untersagt, allerdings nur in Getreide, und selbst da mit Ausnahmen.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) nutzte für seinen Bewertungsbericht u.a. Leserbriefe (!) von Mitarbeitern von Monsanto, dem Hersteller von Glyphosat. Auch hier scheinen Lobbyisten sichere Arbeitsplätze zu haben. Dass eine Landwirtschaft auch ohne den Einsatz von Pestiziden möglich ist, kann mittlerweile in mehreren Gemarkungen im Landkreis beobachtet werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare