„Es geht um Ausgrenzung!“

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Finanzschwache Familien erhalten für das Mittagessen der Kinder einen Zuschuss – er schließt aber nicht den Nachtisch ein. F.: dpa

Zum Bericht „Nachtisch nur gegen Bares“ schreibt Gabriela Otorowski aus Uelzen:.

Der Artikel „Nachtisch nur gegen Bares“ lässt mich einigermaßen fassungslos fragen: „Denkt eigentlich einer der Verantwortlichen einen Moment lang an die betroffenen Kinder?“

Da sitzen Kinder aus Familien mit geringen Einkünften zusammen mit denen aus zahlungskräftigeren Familien an einem Tisch. Ein Kind bekommt einen Pudding, das daneben sitzende nicht. Wie fühlt sich dieses Kind? Was denken die anderen und – wie reagieren sie? Wie lange wird es dauern, bis das erste Mal der Satz „Das können sich deine Eltern wohl nicht leisten!“ fällt? Mir tun die betroffenen Kinder heute schon leid!

Es ist eine Ausgrenzung, ja fast schon eine Stigmatisierung! Dabei ist es ohne Frage löblich, dass das Essen an bedürftige Kinder für einen Euro ausgegeben wird. Aber sollte der Nachtisch dann wirklich nicht mehr finanzierbar sein? (Im Übrigen halte ich einen Euro als zusätzliche Gebühr für den Nachtisch für absolut nicht verhältnismäßig!)

Wenn die Kassen so klamm sind, wäre es dann nicht besser, das Dessert für alle zu streichen und stattdessen eine Kiste mit Obst aufzustellen, aus der sich jedes Kind bedienen kann? Übrigens war so eine Kiste vor einigen Jahren schon mal im Gespräch als Maßnahme zur gesunden Ernährung – finanziert durch das Land Niedersachsen. Aus eigener Erfahrung kann ich dazu nur sagen, dass Kinder so ein Obstangebot sehr gerne annehmen.

Wir leben in einem reichen Land – das wird ja immer wieder betont. Uns geht es gut! Wir spannen Rettungsschirme auf, retten Banken und geben Zuschüsse an marode Unternehmen. „Systemrelevant“ heißt dabei nur zu oft das Schlagwort. Wer oder was aber ist systemrelevanter als unsere Kinder?

Jedes traurige Kind, das sich ausgegrenzt oder benachteiligt fühlt, ist eines zuviel. Auch wenn es dabei „nur“ um einen Nachtisch geht! Inklusives Lernen ist heutzutage in aller Munde, aber wie sieht es mit inklusivem Handeln aus?

Ich jedenfalls schäme mich, wenn ich lese, es sei Eltern durchaus zuzumuten, ihren Kindern eine Stück frisches Obst oder einen Joghurt mit zur Schule zu geben. Ja, das ist es zwar, aber darum geht es nicht! Es geht um Gleichbehandlung, um Ausgrenzung und auch um Diskriminierung. Und es ist der Gesellschaft durchaus zuzumuten, den betroffenen Kindern ein Stück frisches Obst, einen Joghurt oder was auch immer mitzufinanzieren.

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