AZ-Leserbrief

„Gefahr ist bereits offenkundig"

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(Symbolbild)

Zum Artikel „Reale Gefahren von rechts“, AZ vom 20. November, erreichte die Redaktion folgende Zuschrift:

Dass Gefahren von rechts in Deutschland nicht nur drohen, sondern real sind, dem hat die SPD-Bundestagsabgeordnete Kirsten Lühmann auf ihrer Spurensuche der in der Tat sehr gut besuchten Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung „nachgespürt“. Die Gefahr ist allerdings bereits offenkundig. Wie viel politische Mitverantwortung dafür die SPD trägt, hat Frau Lühmann leider nicht gesagt.

Die in die konservative Richtung schielende SPD – ein biegsamer Koalitionspartner der rechtslastigen CDU/CSU – ist dafür nur ein Beispiel. Nicht thematisiert wurde zum Beispiel im Zusammenhang der Ursachenforschung die Frage: Wie geraten Menschen ins gesellschaftliche Abseits? Wie konnte geschehen, was im Dritten Reich geschah? Welches sind heute die raffinierten, subtilen, schleichend verlaufenden Prozesse, die rechtsextremistische und fremdenfeindliche Denkweisen in ihrer riesigen, scheinbar unverfänglichen Bandbreite bis hin zu Körperverletzungen, Mord und Totschlag befördern?

Stichworte hierfür: „gesunder Patriotismus“, „Heimatverbundenheit statt (politischer) Heimatlosigkeit“, schwarz-rot-goldene Schulenbeflaggung, forcierte militärische Aufrüstung, Neoliberalismusbewahrung, für Gülle und chemische Pflanzen-„schutz“mittel usw.

Abschließend hier noch ein konkretes Beispiel: Was tut die SPD dagegen, dass NSU-Ermittlungsakten, die belegen, dass der erste NSU-Mord an einem türkischen Mitbürger, Enver Simsek, in Gegenwart eines Mitglieds des sogenannten Verfassungsschutzes geschah, für 120 Jahre geschlossen bleiben? Soll „das staatlich betreute Morden“ (Dorothea Marx, SPD, Vorsitzende des Thüringer NSU-Untersuchungsausschusses) vor der Öffentlichkeit mit dem Segen der SPD weiterhin verschleiert werden?

Borvin Wulf, Suderburg

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Leserbriefe geben die Meinung des unterzeichnenden Verfassers wieder. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor.

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