Gedanken zur Ausbildungsbörse

Leserbrief zu „Kreatives Werben um Fachkräfte“, AZ vom 8. November:.

Obwohl mein Sohn es eher peinlich fand, bin ich am Mittwoch mitgegangen in die Jabelmannhalle zur Ausbildungsbörse. Es war die Erste, die ich besucht habe. Sowohl die Schule als auch die AZ gaben einige Tipps, die zu erfolgreichen Kontakten zu möglichen Ausbildungsbetrieben führen sollten. Unter anderem war davon zu lesen, dass die Jugendlichen den Tag nutzen sollten, um Bewerbungsgespräche zu führen; sie sollten auf ihr Outfit achten und am besten gleich auch ihre Bewerbungsunterlagen abgeben.

Mir bot sich folgendes Bild: viele rauchende Jugendliche vor den Hallen, viele sich langweilende Jugendliche in den Hallen. In der ersten Halle war kein Gedränge, dafür war es eisig kalt und feucht; in der zweiten Halle war es bereits eingangs recht eng, was sich im Gang drastisch fortsetzte.

Einige Schüler und Schülerinnen setzten sich auf das Podest, sodass so gut wie gar kein Vorbeikommen mehr möglich war. Die Situation vor den Ständen der Schulen und Betriebe war oft so, dass für ein ruhiges Bewerbungs-Gespräch keine Möglichkeit bestand.

Ich hatte in meiner Naivität gedacht, dass die Stände auch im hinteren Bereich Sitzgelegenheiten bieten, wo sich der interessierte Schüler mit dem eventuell zukünftigen Ausbildungsbetrieb unterhalten kann; eben ein erstes Bewerbungsgespräch mit Überreichen der Bewerbungsunterlagen (wie ja als Tipp formuliert wurde) führen kann.

Ich hatte nach meinem informellen Rundgang die Gelegenheit mit mehreren Jugendlichen zu sprechen, die interessanterweise den gleichen Eindruck wie ich gewonnen hatten. Schade, denn es waren ja auch einige wirklich interessierte Schüler und Schülerinnen da, die aber aufgrund der räumlichen Bedingungen und der Gestaltung der Stände ihre Erwartungen enttäuscht sahen.

Den Beschäftigten der Ausbildungsbetriebe, die viel Zeit in der ersten kalten Halle oder in der zweiten sehr warmen Halle verbracht haben, und die mit teilweise sehr informativen Ständen für ihren Betrieb beziehungsweise ihre Schule geworben haben, gilt mein Dank.

Eine Anmerkung noch: Wenn ein Ausbilder im Gespräch mit einer Mutter, die erwähnt, dass ihr Sohn in den Fächern Deutsch und Englisch aufgrund einer Legasthenie eher schlechte Noten hat und fragt, antwortet, dass der Betrieb „Schwerbehinderte“ bevorzugt einstellt, dann kann man sich die Frage stellen, wie hoch das Niveau dieses Ausbilders sein mag.

Cornelia Utrata,

Ebstorf

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