Fremde sind Freunde

Sie kommen mit wenig bis gar nichts in ein fremdes Land und müssen sich zurecht finden – AZ-Leserin Andrea Holtz meint, dass die Bevölkerung den Flüchtlingen dabei viel mehr helfen und sie nicht als Fremde, sondern als Freunde behandeln sollte.
+
Sie kommen mit wenig bis gar nichts in ein fremdes Land und müssen sich zurecht finden – AZ-Leserin Andrea Holtz meint, dass die Bevölkerung den Flüchtlingen dabei viel mehr helfen und sie nicht als Fremde, sondern als Freunde behandeln sollte.

Andrea Holtz aus Ebstorf schreibt zur Kolumne „Fatale Geheimniskrämerei“ und dem Leserbrief „Nehmen Sie Kontakt auf“ (AZ, 6. Juni 2015):.

Fremde sind Freunde, die man nur noch nicht kennt: Diesen Sinnspruch habe ich vor vielen Jahren gelesen und er hat sich mir tief eingeprägt. Nun sind gerade heute viele Fremde zu uns unterwegs oder schon da und wir haben die Chance, sie als neue Freunde zu gewinnen. Auf Seite 2 der AZ vom 6.6. werden dazu sehr klar zwei Positionen dargestellt. Da ist einmal die von J. Heistermann, der mit Herz und Verstand an die ganze Problematik herangeht. Dann der Kommentar von T. Mitzlaff, der nicht hilfreich ist, sondern nur Unsicherheit und Ängste schürt: „die „Gewaltexzesse sind nicht vergessen“. Kein Wunder, wenn man dauernd Öl ins Feuer gießt und so dafür sorgt, dass diese Vorfälle immer wieder ins Bewusstsein gerufen werden. Manchmal frage ich mich, ob entweder bei den Redakteuren der AZ ein Reflex ausgelöst wird, der bei den Worten „Bevensen“ und „Flüchtling“ automatisch „Gewalt“ hinzufügt oder ob es eine Verknüpfung im PC dazu gibt...

Wieviel besser als das Dauermeckern würde es der AZ anstehen, den Menschen, die aus Not und Angst zu uns geflohen sind, ein Gesicht zu geben. Zu zeigen, wie das Leben in einem fremden Land aussieht, wenn alles neu und anders ist und Angst macht. Zu zeigen, wie in Schule und Kindergarten mit Verständnis Brücken gebaut werden. Zu zeigen, dass es unendlich viel mehr gibt, das uns verbindet, als das, das uns trennt...

Wenn ich übrigens in der Senioreneinrichtung, in der ich arbeite, über Flüchtlinge spreche oder vorlese, zum Beispiel aus der Zeitung, dann kommen immer wieder zwei Reaktionen: zum Einen Mitleid, kein Stammtischgegröle hat da Platz. Und zum Anderen die eigenen Erinnerungen und wie bitter es für viele Flüchtlinge nach dem Krieg war, hier nicht willkommen zu sein. Sie hatten so viel durchgemacht und wurden als Fremde angesehen und oft sehr schlecht behandelt. Das war schlimmer als die körperliche Not und tut heute noch weh.

Als Letztes sind diese Menschen auch als Arbeitskräfte ein Segen für uns. Wenn ich einmal der Pflege bedarf, ist es mir doch ganz egal, ob der Mensch, der sich um mich kümmert, schwarz, weiß oder kariert ist: Hauptsache, er oder sie macht seine Arbeit gut und gerne. Fremde sind Freunde...

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare