Für Firmen schlechte Wahl

Volker Heinecke aus Medingen schreibt zur geplanten Unterbringung von Asylbewerbern im ehemaligen Medinger „Hotel Vier Linden“ (AZ, 9. und 11. Mai 2015):

Aus Sicht eines Immobilienmaklers ist die kommende Massenunterkunft für Asylbewerber im ehemaligen „Hotel Vier Linden“ direkt in ein durch Wohnbebauung geprägtes Gebiet eine einschneidende Entscheidung. Je nach Entfernung zur Unterkunft werden die erzielbaren Preise für vorwiegend als Einfamilienhäuser nutzbare Objekte voraussichtlich um 20 bis 75 Prozent sinken.

Einfamilienhäuser in direkter Nachbarschaft werden außer an Spekulanten nahezu unverkäuflich sein. Es ist davon auszugehen, dass die Immobilienpreise in ganz Medingen fallen werden. Ausgehend von etwa 250 Häusern mit einer angenommen Durchschnittsgröße von 150 Quadratmetern dürfte der Schaden für Immobilienbesitzer in Medingen rund 12,5 Millionen Euro betragen.

Das allgemeine Sicherheitsgefühl wird negativ beeinflusst und ist für viele ältere Mitbürger – Schaffung altersgerechten Wohnraums ist ein bedeutendes Thema in Bad Bevensen – von großer Relevanz. Es ist ein oft genannter Grund, warum Hamburger im Alter aufs Land ziehen. Die Politik hat keinerlei seriöse Pläne, die negativen Auswirkungen für die Anwohner relevant abzumildern. Eine befristete Befreiung aller Gebäude und Grundstücke im Umkreis von 300 Metern von der Grundsteuer und eine Senkung dieser für alle übrigen Medinger Grundbesitzer, könnte zum Beispiel eine geeignete Maßnahme sein.

Für uns als Immobilienmarketingbüro wandelt sich die Qualität als Wirtschaftsstandort von „mäßig“ zu „schlecht“. Betrachtet man eine Reihe von Entscheidungen der Bad Bevenser Politik der letzten Jahre, kann inzwischen zurecht von einem wirtschaftsfeindlichen Klima in unserer Stadt gesprochen werden. Als Standort ist Bad Bevensen für eine steigende Anzahl an Firmen eine schlechte Wahl geworden. Diese Entwicklung wird durch die nun in Kauf genommene Verringerung der Wohnqualität – in subjektiver Wert, welcher sich objektiv in Immobilienpreisen niederschlägt – weiter voran getrieben.

2016 stehen Kommunalwahlen an und die Bürger werden sehr genau hinsehen, wer die politische Entscheidung für diesen ungeeigneten Standort einer Asylbewerberunterkunft mitgetragen hat. Daran wird noch einmal im Wahlkampf erinnert werden – denn nicht die Menschen, die zu uns kommen, sind schuld an fehlenden Perspektiven für sie in Deutschland und problematischste Unterbringung. Es ist die politische Klasse und deren eklatantes Versagen.

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