AZ-Leserbrief

„Fair-Kampagne ist Ablenkungsmanöver“

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Wolf-Alexander Hohls, Landwirt aus Schwemlitz, und Juliane Schorling vom Rübenbaueraktionärsverband wollen auf die Bedeutung der Zuckerrübe in der Region hinweisen.

Zum Artikel „Sorge um fairen Wettbewerb“, AZ vom 10. August, erreichte die Redaktion folgender Leserbrief:

Nachteilig ist für alle Rübenbauern, dass ihr Anbauer-Verband das Manöver des Nordzucker-Konzerns mitmacht, um von den wirklichen Ursachen der schlechten Rübenpreise abzulenken. Denn der wirkliche Grund dafür sind nicht die nationalen Beihilfen einiger EU-Ländern für ihre Rübenbauern – sondern vielmehr die ruinösen Weltmarkt- und Rohrzucker-Strategien der großen EU-Zuckerkonzerne.

Nach dem Ende der EU-Zuckermarktordnung mit ihren Mengenbegrenzungen sowie Mindestpreisen sind nunmehr Überproduktions-Mengen und niedrige Rübenpreise die wichtigsten Instrumente der großen EU-Zuckerkonzerne, um kleinere Konkurrenten in der EU und weltweit aus dem Markt zu drängen. Mit dem Einstieg ins Rohrzucker-Geschäft machen sich die ohnehin unkontrollierbar gewordenen Zuckerunternehmen zudem immer unabhängiger von der Rübe. Auf dem ruinösen Überschuss-Weltmarkt mit seiner subventionierten Dumping-Konkurrenz von Drittländern verbrennen die rasch wechselnden Zuckerkonzern-Manager das Rübengeld der Bauern.

Die „Fair“-Kampagne der hiesigen Zuckerkonzerne gegen die Subventionen in einigen anderen EU-Ländern soll davon ablenken – zumal die se Subventionen die dortigen Zuckerfabriken und Rübenbauern ja auch vor den Übernahme- und Stilllegungs-Plänen durch Nordzucker & Co. schützen sollen.

Der EU-Zucker-Binnenmarkt ist immer noch – mit Ausnahme von Importkontingenten – zollgeschützt gegen Drittlands-Dumping-Lieferungen. EU-Verbote im chemischen Pflanzenschutz und Resistenzen machen eine gründliche Revision des Ackerbaus nötig – bei Fruchtfolgen, Sortenwahl, Biologicals oder mechanischer Unkrautregulierung (also echt-integrierter Anbau).

Diese EU-weite Erzeugung von Klasse statt Masse, beschränkt auf den EU-Binnenmarkt, muss durch einen EU-Rahmen bei Förderung und Ordnungsrecht – mit („Wieder“)-Mengenregulierung und Außenschutz und durch EU-weite Zusammenarbeit wirklich konzern-unabhängiger Rübenanbauer-Verbände abgesichert werden.

Eckehard Niemann, Varendorf

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Leserbriefe geben die Meinung des unterzeichnenden Verfassers wieder. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor.

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