Fachlich nicht nachvollziehbar

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Das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat soll in Uelzen von den städtischen Flächen verbannt werden.

Zum sich anbahnenden Glyphosat-Verbot auf städtischen Flächen schreibt Tobias Schütte aus Hansen:

Der Bau- und Umweltausschuss sowie der Verwaltungsausschuss der Hansestadt Uelzen haben dem Stadtrat empfohlen, bis auf wenige Ausnahmen, den Einsatz des Unkrautvernichters Glyphosat auf städtischen Flächen verbieten zu lassen. Damit sind ausdrücklich auch die knapp 50 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche gemeint, die an verschiedene Landwirte verpachtet sind.

Es wird also keine Differenzierung zwischen landwirtschaftlich genutzter Fläche und „sonstigen Flächen“ gemacht. Das ist schon verwunderlich, weil der Stadtrat dann selbst aktiv Landwirtschaftspolitik betreibt. Ein kommunales Novum, zumal das Thema „Glyphosat“ so komplex ist, dass man es nicht allein mit „Bauchgefühl“ entscheiden kann. So komplex, dass EU- und Bundesbehörden beauftragt sind, den Glyphosateinsatz fachlich neu zu bewerten und zu regeln. Ist aber eigentlich überflüssig, denn man bräuchte ja nur die Hansestadt Uelzen fragen. Und die möchte sich fachlich nicht beraten lassen.

Aus meiner landwirtschaftlichen Sicht möchte ich Folgendes zu bedenken geben:

Biodiversität: Im Ackerbau werden Unkräuter beseitigt, die Ertrag und Qualität von Nutzpflanzen mindern. Das kann mit Glyphosat, anderen Wirkstoffen oder mechanisch mit Pflug, Hacke oder Striegel erfolgen. Das Ergebnis ist immer das Gleiche: das Unkraut ist weg. Ein Glyphosatverzicht führt im Ackerbau also nicht zu mehr Biodiversität auf dem Acker.

Insekten: Das mit einem Glyphosateinsatz in Verbindung gebrachte Insektensterben kann fachlich direkt nicht hergeleitet werden. Glyphosat ist kein Insektizid und hat, wie eben erwähnt, im Ackerbau keinen Einfluss auf die pflanzliche Artenvielfalt. Weil Glyphosat oft synonym und damit stellvertretend für „Pflanzenschutzmittel im Allgemeinen“ genutzt wird, werden diese falschen Zusammenhänge leider immer wieder hergestellt.

Bodenschutz: Glyphosat ist ein wichtiger Baustein der konservierenden Bodenbearbeitung. Dadurch ist es möglich, Pflanzenrückstände an der Bodenoberfläche zu halten. Bodenstruktur bleibt erhalten, Bodenleben wird gefördert und besonders Bodenerosion durch Wind und Wasser minimiert.

Ich hoffe, der Stadtrat differenziert in seiner Diskussion zwischen den Zielflächen. Die Selbstverpflichtung zum Glyphosatverzicht bei der Bewirtschaftung der „sonstigen Flächen“ ist bei den Betrieblichen Diensten doch schon geschehen (lediglich fünf Liter pro Jahr für die Ausnahmefälle). Uns Landwirten ist der Einsatz von Glyphosat auf sogenannten Nichtzielflächen (alles außer Acker und Grünland) übrigens verboten. Da gehen wir konform. Die Ausweitung des Glyphosatverzichts auf rein landwirtschaftliche Nutzfläche ist fachlich nicht nachvollziehbar und rein populistischer Natur.

Landwirtschaftspolitik sollte auf anderer Ebene und unter Mitwirkung von Fachbehörden stattfinden. Dann wird den kommunalen Entscheidungsträgern auch nicht nachgesagt werden können, sie hätten ein negativ gefärbtes Glyphosat-Stimmungsbild genutzt, um sich als Umweltaktivisten zu profilieren.

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