Ich erwarte nutzbare Toiletten

Leserbriefe zu „Stolperfallen in der Stadt“, AZ vom 23. November:.

Da ich durch meine Behinderung Rollstuhlfahrer bin, kenne ich den Ort sehr gut. In der Diana-Klinik habe ich sehr viele Rehas unternommen.

Im August hatte ich im Gästehaus der Fürst-Donnersmarck-Stiftung mit meinen Eltern Urlaub gemacht. An einem Tag kam meine Mutter auf die Idee, dass wir uns mal die Situation der Toilettenanlagen in der Stadt von Bad Bevensen anschauen. Zuerst haben wir keine gefunden. Eigentlich durch Zufall fiel meinem Vater eine Toilettenanlage hinter dem Imbiss an der Rathausstraße auf. Die Toilettenanlage war insgesamt in einem sehr schmutzigen Zustand. Ohne Hilfe kommt ein Rollstuhlfahrer in dem Behinderten-WC nicht zurecht, da der Raum viel zu eng ist.

Wir gingen zum Rathaus, um zu erfahren, an wen meine Eltern sich als Begleitung eines Rollstuhlfahrers wenden könnten. Ich meine, es war das Bauamt von Bad Bevensen.

Danach machten wir uns auf, nach Alternativen zu suchen. In der Innenstadt fanden wir überhaupt keine weitere Toilettenanlage. Die nächste befindet sich in der Nähe des Neptunbrunnens. Das dort befindliche Behinderten-WC ist zwar mit Euroschlüssel zu öffnen. Da aber die Tür mit einer Selbstschließanlage versehen ist, fällt dem Rollstuhlfahrer diese immer wieder zu. Also ist auch diese Anlage ohne Hilfe nicht zu nutzen. Die einzige wirklich nutzbare, barrierefreie Toilette befindet sich in der Diana-Klinik. Diese kann allerdings nur bedingt als öffentliche Toilette bezeichnet werden. Denn wenn alle Rollstuhlfahrer, die Bad Bevensen besuchen, diese Toilette der Diana-Klinik nutzen würden, wäre diese wohl überfordert.

Ende August oder Anfang September haben meine Eltern an das Bauamt von Bad Bevensen geschrieben, um diese prekäre Situation darzustellen. Sie haben bis heute keine Antwort.

Diese Situation empfinde ich als erschreckend. Denn Bad Bevensen lebt seit vielen Jahren von Behinderten, und jeder Rollstuhlfahrer muss seit einiger Zeit auch Kurtaxe zahlen. Wenn die Stadt auch von mir als Rollstuhlfahrer Kurtaxe einnimmt, erwarte ich eigentlich nutzbare Toilettenanlagen.

Volker Eggert,

Hamburg

Um es mal deutlich zu sagen: Bad Bevensen ist grundsätzlich für seine Barrierefreiheit zu loben, ja, hat Vorbildcharakter, denn hier hat man viel für Gehandikapte in jeder Form getan. Angefangen vom Pflaster bis hin zur Bürgersteigkannte oder den Behindertenparkplätzen. Die auch im Artikel monierte Bürgersteigkante ist als Orientierungshilfe für Sehbehinderte unerlässlich und sollte selbstverständlich für geübte Rollstuhlfahrer kein Problem darstellen.

Ich weiß wovon ich rede, denn ich bin doppelt oberschenkelamputiert, sitze ständig im Rollstuhl und habe mit besagten Kanten kein Problem. Ein weiteres positives Beispiel: Es gibt ein neues Restaurant, das „Nautilus Diner“, dort hat man beim Bau sogar an schwerbehinderte Gäste im Rollstuhl gedacht, indem zur Toilette im Kellergeschoß ein Rollstuhllift eingebaut wurde!

Soviel Weitsicht kann man selbstverständlich nicht von jedem Geschäftsmann erwarten, denn man denke an die nicht unerheblichen Kosten. Ein Behinderter sollte sich nach seinen Möglichkeiten richten und ggf. Alternativen suchen, die immer in irgendeiner Form zur Verfügung stehen, und sei es ein anderer Weg, ein anderes Restaurant oder ein anderes Geschäft.

Selbstverständlich gibt es auch in Bad Bevensen noch verbesserungswürdige Gegebenheiten, so zum Beispiel der Fußweg in der Kirchenstraße, aber was kann man nicht alles noch besser machen? Es muss alles im Rahmen bleiben. Bad Bevensen ist da nur zu loben.

Herr Beutel, Sie haben Recht: Die gesamte Soletherme ist für Menschen mit Einschränkungen jeglicher Art schwer zu benutzen.

Es gibt im Landkreis Uelzen den Beirat für Menschen mit Behinderungen, der gerne Vorschläge entgegennimmt und Ihr Anliegen an die entsprechende Stelle weiterleitet.

Eckehard Sörnsen,

Höver

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