Erstaunen über Rechtssystem bei Douglas-Bande-Prozess

Leserbrief zum AZ-Bericht „Zeugin hat Angst vor einer Aussage“ vom 19. Januar 2012:

Erstaunt habe ich gelesen, dass ein Gutachter feststellen kann, dass für ein Opfer keine Lebensgefahr bestand. Nach meiner Erfahrung stellt sich Lebensgefahr durch die Situation dar: Die Art der Bedrohung, Fluchtmöglichkeiten, persönliche Möglichkeiten des Handels. Die Gefahr, die vom Täter ausgeht, beinhaltet nicht nur das, was er gerade tut, sondern auch das, was er sagt und ausstrahlt. Sein Handeln hätte er – wenn nötig – noch steigern können. Wie kann ein Gutachter vor Gericht, der gar nicht dabei war, sagen, dass für das Opfer keine Lebensgefahr bestand? Ich wage dies sehr zu bezweifeln. Und vor allem: Wie kann man einer Zeugin, die schon den Mut aufbringt, sich mitzuteilen, in ihrer Angst noch die „geschützte Vernehmung“ verwehren. Gerade wenn es in dem Prozess um Gewalt und Bedrohung geht. Ich bin immer wieder erstaunt, dass unser Rechtsystem stets belegt, was in unserer Gesellschaft anscheinend gut funktioniert: Es gilt das Recht des Stärkeren. Am besten, sich bloß nicht einmischen. Und: Wenn ich Unrecht sehe, lieber wegschauen. Wenn wir Situationen wie diese im Prozess betrachten, sind wir alle aufgefordert, unser eigenes Tun und Denken zu überprüfen.

Christine Fode,

Uelzen

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