„Erhaltung des Blutquells“

Zum Artikel „Vom Reisen durch Räume und Zeiten“ im „Heidewanderer“ (AZ v. 25. August) schreibt Eckehard Niemann aus Varendorf:.

Im Artikel zur Historie des Museumsdorfs Hösseringen wird richtig die Geschichtsfälschung kritisiert, die bei der nationalsozialistischen Schaffung des „Landtagsplatzes“ im Jahre 1936 genutzt wurde. Leider fällt die Passage zur NS-Periode dieses Platzes recht kurz aus, dessen Belieferung mit Steinen aus den Dörfern des Landkreises nur mühsam durchgesetzt wurde und der nach der Eröffnung kaum noch genutzt wurde.

Der Heidewanderer in der vergangenen Wochenend-Ausgabe der AZ beschäftigte sich mit der Historie des Museumsdorfs.

Der vollständige Text der Rede von Kreisbauernführer Georg Gloystein bei der Eröffnung des „Landtagsplatzes“ Hösseringen am 28. Juni 1936 ist abgedruckt in einer damals herausgegebenen „Denkschrift“-Broschüre. Gloystein pöbelte damals gegen den Landbund und die Weimarer Republik als „Zeitalter, als die jüdische Demokratie in Deutschland blühte und dem deutschen Volk durch Marxisten, Jesuiten und Logen gepredigt wurde: „Es ist gleich, was Menschenantlitz trägt“. So war es in der Zeit, als das Judentum als Fremdkörper am deutschen Volk wucherte und sich vollsog aus dem den sogenannten „Siegerstaaten tributpflichtigen Deutschland.“

Gloystein beklagte die damalige Orientierung des „heimischen Bauerntums“ an der „Deutsch-Hannoverschen Partei“ und lobhudelte seine eigenen Aktivitäten nach 1929 innerhalb der NSDAP als „Abschnittsleiter“ im „Agrarpolitischen Apparat der NSDAP“.

Nach der Machtübernahme seien Landbünde und Landwirtschaftskammern aufgelöst und im „Reichnährstand“ zwangseingegliedert worden. Die neuen Pflichten des Bauerntums: „Erhaltung und Erneuerung des Blutsquells des deutschen Volkes und daneben die Ernährung des deutschen Volkes möglichst aus eigener Scholle sicherzustellen.“ … Glauben, kämpfen, opfern, dienen und, wenn es sein muss, auch sterben können für das deutsche Volk“ …

So wie die in vielen Dörfern gesetzten Hitlersteine und gepflanzten Hitlereichen solle der Landtagsplatz ein „großes Dankesmal“ sein „als Ausdruck des Dankes und der Verehrung seinem Retter gegenüber“. … Die Aktien-Zuckerfabrik Uelzen, der Landesbauernführer von Rheden und der Landrat des Kreises Uelzen stellten Mittel zur Verfügung. „Die Landwirtschaftsschule Uelzen mit ihren Lehrern und auch die Höhere Technische Lehranstalt Suderburg, allen voran ihre Lehrer, haben mit der Schaufel in der Hand an diesem Platze geschaffen.“

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