Elbe-Seitenkanal seit 1938 mit Oder verbunden

Zum ganzseitigen Beitrag von Stan Schneider „Ein deutsch-deutscher Wasserweg“ Sonderausgabe der Allgemeinen Zeitung zum 3. Oktober 2011)

In der Sonderausgabe gefiel mir der Beitrag auf Seite 6 von Stan Schneider „Ein deutsch-deutscher Wasserweg“ mit weitem Abstand. Als Eisenbahnhistoriker las ich voller Interesse und Spannung die aufschlussreichen Darstellungen über die Vorgeschichte und den Bau dieses imposanten Wasserweges, die in dem bemerkenswerten Satz gipfeln: „Nach all der kitschigen Rhein- und Donau-Romantik wird der Mittellandkanal zunehmend als geradezu teutonisch-gradliniges Flussreiseziel entdeckt.“ Tatsächlich werden im Katalog eines bekannten Reiseunternehmens bereits Flusskreuzfahrten von Berlin nach Bonn über Potsdam, Magdeburg, Wolfsburg usw. angeboten! Unter „Eine Reise“ wird auf Seite 6 im Blaukasten angekündigt, dass der Autos vom 1. bis 3. November eine Flussreise von Potsdam nach Wolfsburg begleiten wird, um dabei auch Geschichte und Geschichtchen zum Mittelandkanal zu servieren. Es wäre höchst wünschenswert, wenn Sie Herrn Schneider die nachfolgenden Anmerkungen rechtzeitig zukommen lassen würden, damit seine mündlichen geschichtlichen Darstellungen nicht dieselbe schmerzliche Lücke aufweisen wie der ansonsten gute Beitrag! In der vierten Spalte endet der obere Abschnitt mit der Fertigstellung der Schleuse Südfeld im Jahr 1938. Danach geht es in einem neuen Absatz weiter mit „Und wieder war es ein Krieg, der für Unterbrechung sorgte. Dem folgten ein eiserner Vorhang (usw).“ Der Autor unterschlägt auf unerklärliche Art und Weise mit dem Sprung zu Ludwig Erhard 1965 einen ganzen Zeitabschnitt: Mit der Fertigstellung der Südfeld-Schleuse und der Grundsteinlegung der KdF-Stadt (später Wolfsburg) war 1938 der Bau des Mittelandkanals doch noch nicht zu Ende! Es entsteht der makabre Eindruck, dass alles, was sich bereits damals auf dem Gebiet der späteren DDR abspielte, heutzutage sogar von Historikern und Journalisten nicht objektiv recherchiert wird. Herr Schneider erwähnt zwar die beiden stabilen Widerlager der schon damals geplanten Trogbrücke über die Elbe, sollte den Lesern und Hörern aber nicht vorenthalten, dass es schon seit 1938 eine Verbindung zur Elbe und weiter bis zur Oder gab!!! Er „unterschlägt“ – aus welchen Gründen auch immer – die Fertigstellung des Kanalbettes bis Magdeburg-Rothensee westlich der Elbe und damit einhergehend den Bau eines der bemerkenswertesten Ingenieurbauwerke, des Schiffshebewerks Magdeburg-Rothensee, dessen Ersatz von ihm jedoch in der fünften Textspalte erwähnt wird. Das Schiffshebewerk Magdeburg-Rothensee wurde im Zeitraum 1929 (das war nur ein Jahr nach Eröffnung der Schleuse Anderten durch Hindenburg!!!) bis 1938 als Senkrechthebewerk mit Gewichtsausgleich durch Schwimmer erbaut (abhängig vom Wasserstand der Elbe beträgt die Fallhöhe 12 bis 18,70 m!). Es stellte als Teil des damals begonnen Wasserstraßenkreuzes die Verbindung zum kurzen Rothenseer Verbindungskanal und damit zur Elbe her. Bereits ein Jahr vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges waren die bedeutenden Magdeburger Häfen über den Mittellandkanal erreichbar! Wegen der schon im Jahr 1934(!!!) begonnenen Bauarbeiten an einer Trogbrücke über die Elbe und eines Doppelhebewerkes in Hohenwarthe nahm die Schifffahrt in Richtung Osten zunächst einen Umweg über das Schiffshebewerk Rothensee, den Rothenseer Verbindungskanal, die Elbe und die Schleuse Nigripp, um dort den Elbe-Havel-Kanal zu erreichen. Dieser „Übergangszustand“, der für die Schifffahrt einen Umweg über 12 km bedeutete, dauerte von 1938 über den Zweiten Weltkrieg, die Nachkriegszeit, die gesamte DDR-Zeit und sogar noch 14 Jahre „Nach-Wendezeit“ bis zur Eröffnung des Wasserstraßenkreuzes Magdeburg im Jahr 2003. Herr Schneider vergaß auch zu erwähnen, dass die Bauarbeiten an der Elbeüberführung und der Schleuse Hohenwarthe kriegsbedingt erst im Jahr 1942 eingestellt wurden! Im Internet gibt es dazu einige sehr aussagefähige Seiten wie z. B. www.wasserstrassenkreuz.de

Wolfgang List

Stendal

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