AZ-Leserbriefe als Reaktion auf den Leserbrief von Norbert Blazytko (AZ vom 10. Januar)

Die B 4 in eine Tunnelröhre verlegen

Der Besuch von Wirtschaftsminister Bernd Althusmann mit dem Themenschwerpunkt Autobahn 39-Bau beschäftigt weiter unsere Leser. So gibt es zwei Reaktionen auf den Leserbrief von Norbert Blazytko (AZ vom 10. Januar):

Ich kann mich nicht erinnern, derart aberwitzige Behauptungen gehört zu haben, um den Bau der A 39 zu begründen: Unsere Infrastruktur müsse dringend ausgebaut werden, weil wir sonst in Kürze nicht mehr international wettbewerbsfähig seien und ein Heer von Arbeitslosen bekämen.

Wo mangelt es bei uns an Infrastruktur? Da kann man wohl kaum das Fehlen einer A 39 anführen, viel eher aber den dringenden Sanierungsbedarf vieler Straßen und Brücken. Herr Blazytko erwähnt zu Recht, dass beispielsweise die Einwohner Melbecks mit der B4 vor ihrer Haustür unerträglichen Belastungen durch den Verkehrslärm ausgesetzt sind. Keiner will es hören, und so muss es zum wiederholten Male hier gesagt werden, eine A 39 wird kaum zu einer Minderung des innerörtlichen Verkehrslärms führen, und das kann man sogar aus den Planungsunterlagen herauslesen.

Ortsumgehungen bei gleichzeitig dreispurigem Ausbau der B4 waren gefordert worden, um das Problem wirksam anzugehen. Diese Option ist nicht einmal gründlich untersucht worden. Es ist wohl nicht abwegig, wenn man dahinter den Druck interessierter Kreise aus Politik und Wirtschaft vermutet.

Wenn jetzt das Argument kommt, dass für Ortsumgehungen kaum geeigneter Raum zur Verfügung steht und wieder Menschen betroffen sind, dann fordere ich dazu auf, eine Alternative zu überlegen, die bisher noch nicht ins Spiel gebracht wurde, nämlich die B4 im Ortsverlauf in eine Tunnelröhre zu verlegen. Andernorts kann solch eine Lösung besichtigt werden: Zwischen 2009 und 2014 wurde die B 27 in Dußlingen vierspurig ausgebaut und in zwei Tunnel-Röhren verlegt. Der Kappler Tunnel ist ein Straßentunnel in Freiburg.

Dr. Uwe Krieg, Römstedt

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Das ist billige populistische Polemik, die Herr Blazytko mit seinem Leserbrief betreibt, indem er die durch den Bau der A39 „bevorstehende Not von vielleicht („lumpigen“?) zwei, drei oder ein paar mehr Familien“ gegen die „aktuelle Not der tausenden Familien“ an der B 4 am Beispiel von Melbeck ausspielt.

Natürlich kommt das, was die Anlieger der B 4 seit Jahren ertragen müssen, einer dauernden Folter gleich. Ihre legitimen Interessen und Bedürfnisse sind, dass das endlich aufhört. Wenn Herr Blazytko tatsächlich Empathie für die seit Jahren von Dauerverkehrslärm insbesondere der ständig zunehmenden Lkw, von ellenlangen Staus bei laufenden Motoren, und von CO² und NOX-Giftgasausstoß-Betroffenen aufbringen würde, wäre es seine Aufgabe, die eigentlichen Ursachen aufs Korn zu nehmen und nicht nur einem Verschiebebahnhof weg von der B 4 hin zur A39 das Wort zu reden.

Wir leben auf Kosten Dritter. Die Rechtspopulisten jeglicher parteipolitischen Couleur und die Befürworter der wohlstands-kapitalistischen Egotripgesellschaft, sind allesamt Befürworter von zusätzlichen Asphalt-Wüsten á la der A39.

Wo ein elitärer Geist, wo Konsumwahn, wo die Ideologie der hemmungslosen Ausbeutung von Rohstoffen und von Menschen außerhalb unseres Landes, und wo der Export unseres Wohlstandsmülls in Dritte-Welt-Länder zum vordergründigen Vorteil von uns, aber zum Nachteil von Mensch, Natur, Tier und Umwelt herrscht, wofür man immer mehr Transportkapazitäten sowie eine landfressende Autobahn-Infrastruktur à la der A39 benötigt und das den vielfach politisch und moralisch orientierungslos gewordenen Menschen als gesellschaftlichen Fortschritt verkauft, sind Ignoranz und (Macht-)Missbrauch vorprogrammiert. Was also tun?

Borvin Wulf, Suderburg

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