Leserbrief

Dringend umdenken!

+
Eine Wildblume mit Insekt – Hannegret Lukat aus Uelzen regt insbesondere Kommunen und Privatpersonen dazu an, sich für die Bestände der Insektenarten einzusetzen.

Zu unserer Berichterstattung über den Einsatz von Glyphosat und Beobachtungen zum Insektensterben („Kein Glyphosat in Uelzen“ und „Aus Gründen der Fürsorge“, AZ vom 15. Februar) schreibt Hannegret Lukat aus Uelzen:

Endlich wird thematisiert, was für jeden Gartenfreund schon länger offensichtlich und besorgniserregend ist, nämlich der auffällige Rückgang im Bestand vieler Insektenarten und in der Folge auch zahlreicher Vogelarten (AZ vom 11. Mai 2017: „Stummer Frühling droht“). Die Situation ist geradezu alarmierend: Allein in Deutschland gibt es, was wenig bekannt ist, rund 560 verschiedene Wildbienenarten, von denen sehr viele in ihrem Bestand äußerst gefährdet sind, da ihnen insektenfreundliche Pflanzen als Nahrungsquelle fehlen.

Auch 60 Prozent der heimischen Wildvögel sind abhängig von Insekten als Futter. Und abgesehen davon, dass es bereits große Probleme bei der Bestäubung unserer Kulturpflanzen wie Obstbäumen durch Honigbienen gibt, sind etwa 80 Prozent unserer heimischen Wildpflanzen auf die Bestäubung durch Insekten angewiesen. Ein Forschungsprojekt hat im Übrigen gezeigt, dass bereits im Laufe von etwa drei Jahrzehnten vier Fünftel der „Biomasse Insekten“ verschwunden sind!

Hier ist – abgesehen von der Problematik des Glyphosat-Einsatzes in der Landwirtschaft – wichtig, dass Kommunen sich ihrer Verantwortung bewusst werden, in diesem Zusammenhang Maßnahmenkataloge für städtische Flächen und Gebäude zum Erhalt der biologischen Vielfalt erarbeiten und diese auf jeden Fall so bald wie möglich umsetzen.

Dabei muss das Rad gar nicht neu erfinden werden; denn es gibt bereits genügend Initiativen anderer Kommune, wie „Blumiges Melle“, Erkrath, Landkreis Neu-Ulm, Emlichheim. Ein großes Problem: Viele Menschen nehmen den Insektenschwund nicht wahr! Und darüber hinaus scheint die Auffassung relativ weit verbreitet, dass der Einzelne keinen Einfluss auf diese dramatische Entwicklung hat.

Das stimmt so aber nicht: Es gibt in Deutschland 17 Millionen private Gärten mit einer Fläche, die etwa der Größe der Naturschutzgebiete entspricht. Und hier kann jeder Bürger etwas tun, indem er sich in kompetenten Gartenbaubetrieben vor Ort über insektenfreundliche Pflanzen informiert und auch auf kleinsten Flächen Refugien schafft für Wildbienen, Hummeln und Schmetterlinge statt auf eintönige, für Insekten völlig nutzlose Bepflanzung zurückzugreifen oder Vorgärten gar in lebensfeindliche „Kies- und Schotterlandschaften“ umzuwandeln.

Ein Umdenken ist dringend erforderlich! Wenn wir nichts tun, steht leider zu befürchten, dass in Zeiten von Smartphone, IPhone und MacBook unsere Enkelkinder uns eines Tages fragen werden, ob der Zaunkönig ein Monarch der deutschen Zeitgeschichte war ...

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare