Dorfzerstörung

Zur Fällung der Linden in Bienenbüttel.

Den Wutbürger gibt es auch in Bienenbüttel. Nicht nur in Stuttgart. Die Empörung vereinzelter Bürger ist groß. Man hätte jeden einzelnen Baum vor dem Abholzen besetzen müssen, so ein Aufgebrachter in Bienenbüttel. Ein anderer schon älterer Mitbürger bedauert, dass er nun kein schattiges Plätzchen mehr unter einem der schönen alten Laubbäume finden wird. Sie sind alle weg und nicht mehr zu ersetzen. Katinka Koke vom Bienenbütteler Gemeinderat äußerte sich gegenüber der AZ, das die Baumfallaktion auf den Rat eines Planers zurückzuführen sei. Das darf und kann nicht wahr sein, dass sich die Verwaltung das Heft des eigenen Handelns aus der Hand nehmen lässt. Den mit der Planung und Ausführung Beauftragten kann diese Baumfallaktion nur recht sein. Man hat freie Hand, reagiert nicht mehr auf wohltuende gewachsene Strukturen und verändert das gewohnte Straßenbild bis zur Unkenntlichkeit! (Die Spuren der alten hoch gewachsenen Bäume, die noch den Verlauf der B 14 durch das Straßendorf Bienenbüttel markierten, sind endgültig verwischt. Stattdessen erwartet uns eine „Schickeria-Ortsbildgestaltung“.) Das ist keine Dorferneuerung, das ist Dorfzerstörung. Als Teilnehmer des Arbeitskreises „Dorferneuerung“ kann bestätigt werden, das niemals von einer Beseitigung der Alleebäume nicht mal im Ansatz gesprochen wurde. So auch Koke in der AZ. Vielmehr wurde dem Gremium ein Entwurf zur Gestaltung der Bahnhofstraße unter Einbeziehung der Bäume vorgelegt und lobend zur Kenntnis genommen. Die Bäume wurden dafür eigens eingemessen und der Entwurf von der Gemeindeverwaltung sogar ins Netz gestellt. (Dem Dorferneuerungs Arbeitskreis wurde auch eine Diplomarbeit einer FH-Studentin vorgelegt, bei der eine Straßengestaltung mit Parkbuchten im Grundriss dargestellt war. Auch hier war der vorhandene Baumbestand Grundlage der Planung. Vor ca. drei Wochen suchte der Unterzeichner den Bauamtsleiter Herrn Gundlach auf, um sich über den Planungsstand unterrichten zu lassen. Von einer Beseitigung der Bäume wurde nichts erwähnt. Am Tage der Bäumebeseitigung war Herr Gundlach in Urlaub.) Globale Erwärmung und abnehmende Niederschläge verlangen ein Umdenken auch bei der Bepflanzung mit Laubbäumen. Die alleinige Anpflanzung des Apfeldorns ersetzt nicht die ökologisch wertvolle Linde. Monokultur wie in der Landwirtschaft muss nicht auch noch zur Ausschmückung des Straßenbildes herhalten. Unterschiedliche Baumsorten, nicht auf eine langweilige Höhe nivelliert, könnten das Straßenbild wieder attraktiv machen und die wirtschaftlichen Interessen zur Belebung der vorhandenen Infrastruktur - aber auch zur Erhaltung der Vielfalt von Fauna und Flora - verbessern helfen.

Christoph Tornow

Bienenbüttel

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare