Diebe setzen auf schlechte Präsenz

Leserbrief zu Artikel „Juwelier fordert mehr Sicherheit“, AZ vom 19. Januar:.

Bei aller Ernsthaftigkeit des Themas huschte mir ein sarkastisches Lächeln über das Gesicht, als ich mir die Seite für Bevensen-Ebstorf und Bienenbüttel am vergangenen Wochenende betrachtete: Juwelier Busse berichtet von einem Einbruch in sein Geschäft mit beträchtlichem Sachschaden und fordert mehr Sicherheit. Der Polizeipressesprecher argumentiert dagegen, dass sich der Personaleinsatz vor Ort am Aufkommen der Straftaten orientiert. Aha. Interessant ist, dass der Hauptartikel flankiert ist von Meldungen zu Einbrüchen, Diebstählen und Randale. In und um Bad Bevensen. Und das ist in dieser Zeitungsausgabe traurigerweise keine Ausnahme. In unseren acht Jahren in Bad Bevensen mussten wir zwei Diebstähle und zwei Einbrüche erleben. Da wir aus unseren Räumlichkeiten im ehemaligen Hamburger Feriendorf ausziehen mussten und seitdem Container ohne Alarmanlage als Basis unseres Waldkletterpfades dienten, bemerkten wir die Tat erst am folgenden Vormittag. Selbst da dauerte es über anderthalb Stunden, bis ein Polizist vor Ort war. Die Bevenser Beamten waren in Himbergen im Einsatz und in Uelzen musste man noch einmal umdisponieren, da ein anderer Fall dazwischen rutschte. Aufgeklärt wurden die Einbrüche nie, die gestohlene Ausrüstung blieb verloren, das markante Sonnensegel tauchte nie wieder auf. Nein, Herr Richter, da widerspreche ich Ihnen: Die zweifelhafte Tatsache der mageren Besetzung der Polizei in Bad Bevensen ist nicht nur Geschäftsleuten und Einwohnern bekannt. Dies wissen auch die Menschen gut, die nie gelernt haben, mein und dein auseinander zu halten – und wiegen sich aufgrund dessen in berechtigter Sicherheit, dass so schnell niemand am Tatort sein kann. Vielleicht hilft die Niedersachsen-Wahl, solchen Missständen künftig zu begegnen. Denn eine Regierung, die dem Verteidigungsetat mit über 30 Milliarden Euro Ausgaben einen Spitzenplatz einräumt, während Inneres abgeschlagen mit knapp einem Fünftel dieses Betrages abgespeist wird, orientiert sich meiner Meinung nach falsch.

Liebe Neugewählten – und weiterhin engagierten Lokalpolitiker. Ihr seht, was vor Ort passiert. Ihr seid das Sprachrohr nach oben für notwendige Verbesserungen. Flüstert das Bad-Bevensen-Problem – ja, es ist eines – weiter und berichtet, dass es nicht zu viel verlangt ist, für über 10 000 Einwohner wenigstens eine Minimalbesetzung in unmittelbarer Nähe zu haben. Dann weicht das sarkastische Lächeln einem beruhigten.

Valeria Nicola Haase,

Bad Bevensen

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