Demokratieverständnis fragwürdig

Wilhelm Sties aus Hamburg schreibt zum Bericht „Neubau in Stein gemeißelt“ (AZ, 17. Juli):

Wenn ich in der AZ lese, dass die Bahnunterführungen durch die Deutsche Bahn saniert werden, so erfüllt mich das zunächst mit Freude. Wenn ich allerdings auch lesen muss, dass die Unterführungen in der ursprünglichen Breite und Höhe bestehen bleiben, so fehlt mir das Verständnis.

Der Verkehr hat sprunghaft zugenommen, nicht nur in der Masse, sondern auch die Abmessungen der Fahrzeuge. Uelzen hat fünf Bahnunterführungen, eine am Bohldamm, zwei an der Bahnhofstraße, eine an der Ebstorfer Straße und eine am Kuhteichweg. Anfang der 60er Jahre wurde die Bohldamm-Unterführung wieder geöffnet (nach Vertiefung), aber viel zu schmal für den Verkehr. Mehrere Unfälle gerade an dieser Unterführung sorgten für Überlegungen, diese zu verbreitern. Das sogenannte Bahnwärterhäuschen auf der linken Böschungsseite vor der Durchfahrt Richtung An den Zehn Eichen wurde alsbald abgerissen, um Raum für eine Fahrbahnverbreiterung zu schaffen... Das war es dann aber auch – nichts weiter geschah.

Wenn ich jetzt höre, was der Bürgermeister von sich gibt, um seine Stillhalteparolen bezüglich der Sanierung der Unterführungen zu untermauern, wird mir übel. Wenn eine Stadt Verbesserungsvorschläge und Änderungswünsche an die DB richtet, muss sie im vorweg die Kosten verauslagen? In welchem Staat leben wir? Die Bahn kann sich über alle Vernunft hinwegsetzen?

Die Aussagen des ersten Bürgers der Stadt zu dem Thema wirft ein schlechtes Licht auf das Demokratieverständnis der Uelzener Bürger. Jetzt und hier ist ein Mann gefragt, der ein Höchstmaß an Demokratieverständnis in die Waagschale wirft, der sich am Willen der Bürger orientiert und damit seiner Stellung als erster Bürger der Stadt Uelzen gerecht wird. Es ist, wie es immer ist: Beim Marktcenter hat sich die Uelzener Verwaltung vorführen lassen und wird noch weiter vorgeführt, beim Thema Bahnunterführung geht es weiter – ein offensichtlich nicht enden wollender Prozess. Schade um meine alte und eigentlich schöne Heimatstadt, in der ich 40 Jahre lebte und in die ich immer wieder gern zurückkehre, aller politischen und verwaltungstechnischen „Nichtnachvollziehbarkeiten“ zum Trotz.

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