AZ-Leserbrief

„Dank dafür ist Häme?“

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Die Ilmenau bei Bienenbüttel: „Warum sind Eigentümer nicht froh, etwas zum Erhalt der Natur tun zu können?“, fragt Elke Benecke.

Zum Artikel „Wir fühlen uns entmündigt“, AZ vom 25.  Oktober, erreichte die Redaktion diese Zuschrift:.

Was ist das für eine Gesprächskultur und wie wird miteinander umgegangen? Der Landkreis Uelzen lädt alle Eigentümer ein, sich zu informieren und Fragen zum Entwurf der LSG-Verordnung zu stellen; auf Bitten der Bürger von Bienenbüttel; die waren zahlreich erschienen, der Bürgermeister leider nicht.

Die Fachleute des Umweltamtes berichteten über den Entwurf der LSG-Verordnung sachlich, fachlich, was sie erarbeitet haben. Dazu gehört zum Beispiel, dass konkrete Vorgaben wie der 2,50 Meter-Schutzstreifen entlang der Ilmenau auf landwirtschaftlichen Flächen bindend ist.

Ein wenig Rücksicht zu nehmen, wird uns Bürgern als Sozialpflichtigkeit des Eigentums zugemutet. Bei Hunderten von Eigentümern entlang der Ilmenau auf vielen verschiedenen Flächen können die Einschränkungen für jeden Einzelnen durch ein Landschaftsschutzgebiet (LSG) wohl nicht allzu unverhältnismäßig sein.

Dabei handelt es sich hier nur um ein Mindestmaß der erforderlichen Schutzmaßnahmen, die zur Sicherung der Erhaltungsziele des FFH-Gebietes Ilmenau erforderlich sind und bereits längst hätten umgesetzt werden müssen. Es ist höchste Eile geboten, weil der Landkreis und das Land die Vorgaben der EU in den letzten zehn Jahren nicht ernst genommen haben und die EU nun nach dem Vertragsverletzungsverfahren mit einer Anklage vor dem Europäischen Gerichtshof droht.

Braucht es nicht ein Minimum an Einsicht, dass mit dem Motto „Immer weiter so wie bisher“ und „Ja nicht bei mir“ keine Besserung für unsere Natur entsteht? Die in der LSG-Verordnung genannten Erhaltungsziele sind nicht zu erreichen, wenn nichts verändert wird. Stillstand führte in der Vergangenheit zu einer erheblichen Verschlechterung von Lebensräumen an der Ilmenau.

Als ich vor 18 Jahren die Ilmenau entlang fuhr, fielen mir große Mengen von Komposthaufen, Rasenschnitt oder ungenehmigte Stege auf; Rasen, der regelmäßig bis zur Uferkante gemäht wurde. Da bleibt wenig Raum für Libellen oder Amphibien. Jeder kann etwas dazu beitragen, dass sich gefährdete Arten wieder ansiedeln.

Und ja, es gibt Konflikte, aber die können nur im sachlichen Gespräch angegangen werden. Auf der einen Seite gehen Kinder und Jugendliche auf die Straße und setzen sich für besseres Klima ein; auf der anderen Seite wird sich massiv aufgelehnt gegen konkrete Schutzmaßnahmen zum Erhalt unserer Umwelt. Wer erinnert sich an eine Kindheit auf duftender Wiese und im Feld, wo es summte und zirpte von Käfern, Grashüpfern, Bienen, Schmetterlingen? Niemand möchte in einer Welt voller Verbote leben; aber ein 2,50 Meter breiter Streifen ohne Nutzung ist doch angesichts der Problematik von Nährstoffeinträgen in Gewässer ein Minimum, das verträglich sein sollte und keine Existenzen gefährdet.

Warum sind Eigentümer nicht froh, etwas zum Erhalt der Natur tun zu können, oder geht es um finanziellen Wertverlust von Grundstücken durch Lage im Schutzgebiet? Der Mensch muss die Natur berücksichtigen; umgekehrt geht es leider nicht.

Vermutlich wird es auf politischen Druck hin noch einige Änderungen des Verordnungsentwurfs geben. Dazu haben bereits Mitglieder des Umweltausschusses öffentlich ihre Hilfe angeboten. Der Schutz unserer Natur gelingt nur gemeinsam.

Übrigens wurde im Nachbarkreis Lüneburg bereits 2011 ein einziges kreisweites LSG erlassen. Dass in anderen Landkreisen frühzeitig Fördermittel akquiriert wurden, ist nicht richtig. In keinem anderen Landkreis sind für eine LSG-Ausweisung derart transparente, umfangreiche Infoveranstaltungen durchgeführt worden. Der Dank dafür ist Häme?

Elke Benecke, Bad Bevensen

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Leserbriefe geben die Meinung des unterzeichnenden Verfassers wieder. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor.

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